Trotz gestiegenen Preisdrucks - T-Mobile hält Billiganbieter für überschätzt

Mobilfunk verliert sein Hochpreis-Image

vom 11.04.2006 (0)
Mobilfunk verliert sein Hochpreis-ImageDer größte deutsche Mobilfunkbetreiber T-Mobile erwartet noch zahlreiche Billiganbieter im Markt, sieht sie in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung aber stark überschätzt. Folgenreicher sei der Marketingeffekt, der von diesem Segment ausgehe und der einen allgemeinen Umbruch in der Branche beschleunige, sagte der Chef von T-Mobile Deutschland, Philipp Humm, der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires. Er rechne mit einer längeren Übergangsphase zu einem generell niedrigen Preisniveau. Deshalb stehe schon jetzt der gesamte Markt stark unter Druck. Am Ende werde es aber Umsatzzuwächse geben.
Mehr Niedrigpreisanbieter
"Ich erwarte, dass in diesem Jahr noch jede Menge Niedrigpreisanbieter kommen», sagte Humm. Erst vor wenigen Tagen hatte die Drogeriekette Schlecker den Verkauf von Guthabenkarten für
das Vodafone-Netz unter einer neuen Marke bekannt gegeben. Auch T-Mobile sei offen für weitere Kooperationen, sagte Humm. Das Unternehmen hat bereits mit einigen Prepaid-Anbietern wie Klarmobil und Simply Vertriebspartnerschaften geschlossen. Eine eigene Zweitmarke wolle man aber nach wie vor nicht gründen, sagte Humm.

Mobilfunk verliert sein Hochpreis-Image

Die Discounter stünden allerdings selbst unter optimistischen Annahmen - wie 25 Prozent Kartenanteil im Prepaid-Bereich - nur für 5 Prozent des gesamten Umsatzes im Mobilfunk, sagte Humm weiter. Von daher hätten sie an sich keine große Bedeutung. Doch tragen die neuen Anbieter nach seiner Ansicht derzeit entscheidend dazu bei, dass der Mobilfunk sein Hochpreis-Image verliert. "Die Kostensperre in den Köpfen wird fallen. Daran arbeiten wir intensiv", sagte der Manager.

Verbesserung in Sicht
Der allgemeine Preisverfall, der durch die Discounter vorangetrieben wird, mache den Mobilfunkern indes derzeit stark zu schaffen. "Wir stehen vor großen Herausforderungen auf der Umsatzseite", sagte Humm. Der gesamte Markt sei in der ersten Hälfte 2006 verstärktem Druck ausgesetzt. Im weiteren Verlauf des Jahres rechnet Humm aber mit einer Verbesserung. 2005 hatte T-Mobile in
Deutschland 1,4 Prozent weniger umgesetzt, was auf die niedrigeren Zuschüsse für Handys zurückzuführen ist. Der reine Kommunikations-Umsatz legte dagegen um ein Prozent zu.

Bundesnetzagentur droht

Neben den rückläufigen Preisen macht den Mobilfunkern momentan auch die Senkung der Gebühren zu schaffen, die sie für die Weiterleitung von Festnetztelefonaten in die Handynetze bekommen
sollen. Letzten Endes würden aber auch diese Umsatzeinbußen durch längerfristig zu erwartende Nutzungs- und Erlösanstiege kompensiert, sagte Humm voraus. Die Bundesnetzagentur hat die Unternehmen zu einer weiteren deutlichen Herabsetzung der Terminierungsentgelte aufgefordert und droht damit, dass sie sonst ihre Preise zur Genehmigung vorlegen müssen.

T-Mobile zu freiwilligen Senkungen bereit

Humm zeigte sich zuversichtlich, dass es rechtzeitig bis Anfang Mai noch eine Branchenlösung gibt. T-Mobile sei, wie schon in der Vergangenheit, zu weiteren freiwilligen Senkungen bereit. Die Vorstellung des Regulierers, dass die Entgelte unter die Marke von 10 Cent fallen müssen, kann Humm nachvollziehen. Derzeit erhalten die zwei großen Anbieter T-Mobile und Vodafone 11 Cent für Anrufe aus dem Festnetz, ihre beiden kleineren Wettbewerber O2 und E-Plus etwas
mehr.

Rückstand beim Netzausbau
Diesen auf technische Gründen in der Vergangenheit zurückgehenden Abstand hält Humm jedoch für nicht mehr gerechtfertigt. Notwendig sei, dem europäischen Trend entsprechend, in absehbarer Zeit eine Nivellierung. Damit wandte er sich gegen Forderungen aus der Branche, die Spreizung zu erhöhen. Der Rückstand beim Netzausbau, mit dem die Differenz begründet wird, sei so nicht mehr gegeben, argumentierte Humm.
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Quelle: ddp |Autor: CB

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