MWC Der Weg für 5G ist freiMWC bringt kaum Handy-Innovationen - 5G sorgt für Euphorie

vom 26.02.2016, 11:00
Mobilfunk-Basisstation in Münster

Innovationen auf dem Mobilfunk-Markt werden künftig immer mehr durch Netztechnik als durch Hardware-Neuheiten getrieben. Deutlich wurde das auf dem Mobile World Congress (MWC), in Barcelona. Zahlreiche große Hersteller (HTC, Huawei) verzichteten auf die Vorstellung von neuen Highend-Handys. Und wer sich wie Samsung doch traute, wurde zwar für das Hardware-Update gelobt, aber fast im gleichen Atemzug für fehlende Innovationen kritisiert.

Zwar versuchte LG Electronics auf der weltgrößten Mobilfunkmesse beim neuen Spitzenmodell G5 damit zu punkten, trotz Metallgehäuse die Möglichkeit zu bieten, den Akku austauschen zu können; wirkliche Innovationen wie ein Outdoor-Telefon von Cat mit integrierter Wärmebildkamera waren aber selten.

Umso spannender ist es da, was auf Seiten der Netztechnik geschieht. Schon jetzt ist klar: mit dem LTE-Nachfolger 5G wird alles besser. Nicht nur für Endkunden, sondern auch für Unternehmen. Denn deutlich verkürzte Reaktionszeiten von nur noch einer Millisekunde (ms) - heutige LTE-Netze bringen es auf etwa 40 ms -, viel größere Kapazitäten der Funkzellen und Gigabit-Geschwindigkeiten bei der Datenübertragung werden für ganz neue Mobilfunk-Erlebnisse sorgen.

In das gleiche Horn bläst auch Thorsten Dirks, Chef des Netzbetreibers Telefónica Deutschland: "Die Branche wandelt sich", ist der Manager überzeugt. "Auf dem MWC hat man in diesem Jahr viele Hersteller gesehen, die man bisher noch nicht kannte." Zudem seien diverse Auto-Hersteller auf der Messe zu sehen gewesen, um die Möglichkeiten des vernetzten Fahrens zu demonstrieren. Ebenso Hersteller von Smart-Home-Produkten. "Das Internet der Dinge und die virtuelle Realität werden die Mobilfunk-Branche in Zukunft leiten", ist Dirks überzeugt.

"Digitalisierung ist das größte Geschenk"

Im Mobilfunk werde es möglich, immer mehr Anwendungen in Echtzeit zu steuern, sagte der Telefónica-Manager weiter. Und auch bei der Deutschen Telekom glaubt man, mit 5G eine Art Heilsbringer in die eigene Netztechnik integrieren zu können. Telekom-Chef Tim Höttges sagte auf der Messe: "Die Menschen wollen und werden überall verbunden sein. Die Digitalisierung ist das größte Geschenk, das wir in unserer Branche je bekommen haben." Ohne Netz funktioniere diese neue, digitalisierte Welt aber nicht. "Wir bauen das Netz dafür", sagte der Telekom-Chef und kündigte neue Investitionen in 5G an.

Bisher werde erwartet, dass erste 5G-Netze ab dem Jahr 2020 mit den entsprechenden Zertifizierungen und Standardisierungen kommerziell durchstarten werden, so Höttges weiter. Mit ersten Tests wird man aber wohl schon 2018 starten, etwa während der olympischen Winterspiele in Südkorea. Vielleicht geht es aber noch schneller. So ist beispielsweise Nokia-Chef Rajeev Suri überzeugt, dass 5G-Netzkomponenten schon im Jahr 2017 in erste Mobilfunknetze implementiert werden.

Vernetzung kommt - auf Sicherheit ist zu achten

Auf dem MWC wurde deutlich, dass das Ziel, immer mehr Geräte miteinander zu vernetzen, mit aller Macht vorangetrieben werden soll - auch bei Industrieanlagen und in der Gesundheitsbranche. Maschinen werden zukünftig direkt mit Anwendungen im Internet kommunizieren. Zudem werden immer mehr Daten in der Cloud gespeichert, um sie von überall und zu jeder Zeit abrufen zu können.

Nebenbei sei angemerkt, dass die zunehmende Vernetzung nicht von allen Branchenexperten so positiv gesehen wird wie von der Industrie selbst. Immer wieder war am Rande der Mobilfunkmesse das Thema Sicherheit heiß diskutiert. Was passiert eigentlich, wenn Smart-Home-Systeme von Hackern geknackt werden und Haus- oder Autobesitzer aus ihren Häusern oder Fahrzeugen ausgesperrt werden? Sind vernetzte Autos oder Wohnungen wirklich sicher vor Angriffen von außen? 

Fragen, auf die die Mobilfunk-, Smart-Home, und Connected-Car-Industrie plausible und für die Allgemeinheit nachvollziehbare Antworten finden muss. Denn solle auch nur ein Fall bekannt werden, bei dem es Hackern möglich wurde, von außen auf das vernetzte Zuhause oder Auto zuzugreifen, könnte das Vertrauen in die Vernetzung irreparablen Schaden nehmen. Ganz ähnlich sieht es im Gesundheitssektor aus, wo häufig mit sensiblen Patientendaten gearbeitet wird.

EU Kommission will bei der 5G-Einführung mitreden

Unterdessen ist 5G auch in der Politik angekommen. EU-Digitalkommissar Günther Oettinger kündigte auf dem MWC in Barcelona an, bis Ende 2016 einen Aktionsplan für die Einführung des neuen Mobilfunkstandards vorstellen zu wollen. Die im Vergleich zu anderen Regionen in Europa verspätete Einführung von UMTS und LTE solle sich bei 5G nicht wiederholen. Ziel sei es, auch andere Industrien mit dem Telekommunikationssektor zusammenzubringen, um einen einheitlichen 5G-Markt zu schaffen.

Bildquelle kleines Bild: Telefónica | Autor: Hayo Lücke
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Themen dieser News: MWC Barcelona, LTE, Mobilfunk-News, Mobilfunktechnik, Technik, Unternehmen und Märkte

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