Dramatische Übernahmeschlacht um SharpFoxconn erhält Zuschlag, zögert aber

vom 26.02.2016, 11:10
Foxconn will Sharp übernehmen
Bildquelle: Foxconn / Sharp

Das taiwanische Unternehmen Foxconn, bisher vor allem als Auftragsfertiger für Apples iPhones bekannt, darf den strauchelnden japanischen Elektronikkonzern Sharp übernehmen. Bis zuletzt hatte die Regierung Japans versucht, den Deal zu verhindern. Doch nun macht Foxconn womöglich einen Rückzieher.

In der dramatischen Übernahmeschlacht um den japanischen Elektromulti Sharp gibt es einen Sieger: Foxconn konnte den von der japanischen Regierung gestützten und lange Zeit als Favoriten gehandelten Fonds Innovation Network Corporation of Japan (INCJ) ausstechen. Wie Sharp am Donnerstag offiziell mitteilte, nehme man das Angebot von Foxconn über den Kaufpreis von sechs Milliarden US-Dollar (etwa 5,4 Milliarden Euro) an. In Japan ist ein Sieg eines ausländischen Investors in dieser Größenordnung fast schon eine Sensation – die größte Übernahme eines japanischen Elektronikkonzerns durch einen ausländischen Investor in der Geschichte.

Nun jedoch steht der Deal offenbar plötzlich auf tönernen Füßen: Foxconn hat die Unterzeichnung des Vertrages mit Sharp auf Eis gelegt, "bis ein Konsens erzielt ist", wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Der Auftragsfertiger habe neue Informationen über mögliche, mit dem Geschäft verbundene Risiken erhalten. Insider berichteten über Schulden in Milliardenhöhe, die bislang unbekannt waren und nun ans Licht kamen. Foxconn habe das Geschäft auf Eis gelegt, wie weiter berichtet wird.

Möglich ist, dass die Taiwaner nun nachverhandeln wollen. Eigentlich vorgesehen war die Übernahme neuer Aktien im Wert von 484 Milliarden Yen (rund 3,9 Milliarden Euro) und der Kauf von Vorzugsaktien für weitere 100 Milliarden Yen (etwa 805 Millionen Euro), die aktuell von Gläubigerbanken der Japaner gehalten werden. Bei einer erfolgreichen Übernahme käme Foxconn so auf rund 70 Prozent der Anteile.

Die Bieterschlacht zwischen Foxconn und dem INCJ war von Wirtschaftsexperten auch als Test angesehen worden, ob Japan bereit ist, seine Wirtschaft für ausländische Investoren zu öffnen. Um die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt wieder auf Wachstumskurs zu bringen, hatte Japans Regierungschef um ausländische Investoren geworben und zudem Reformen zugesagt. Die Aktien von Sharp fielen nach der Bekanntgabe der Vorstandsentscheidung zugunsten Foxconns um 14,4 Prozent, denn Foxconn möchte im Gegensatz zu dem Fonds die angeschlagene Display-Sparte von Sharp im Konzern halten.

Die Taiwaner versprechen sich Branchenkennern zufolge von der Investition eine Diversifikation der eigenen Geschäftsaktivitäten. Mithilfe von Sharps Kompetenz im Bereich der Display-Technologie könnte Foxconn in die lukrative Produktion von High-End-Komponenten vorstoßen. So will der Konzern künftig nicht nur Gehäusebauteile für die produzierten iPhones selbst liefern, sondern auch die Displays. In diesem Bereich ist Sharp bereits ein Lieferant von Apple, wäre mit einer Übernahme also bereits im Geschäft.

Quelle: Handelsblatt

Bildquelle kleines Bild: Foxconn | Autor: Stefan Winopal
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Themen dieser News: Unternehmen und Märkte, Apple

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