Test Blackberry Priv im TestBlackberrys Flirt mit Android

vom 10.02.2016, 17:36
Blackberry Priv

Venice, Priv oder die letzte Chance für Blackberry: Das Smartphone-Urgestein aus Nordamerika geht derzeit durch richtig schlechte Zeiten, hat aber eines der interessantesten Geräte auf den 2015er Markt gebracht, das wohl bei vielen unter dem Radar fliegt. Ob das Priv mit seiner Slider-Tastatur die Kanadier retten kann, klärt der Test von inside-handy.de.

Das besondere am Blackberry Priv ist unbestreitbar die ausziehbare Hardware-Tastatur, die die Vorteile der traditionellen Blackberry Qwertz-Tastatur mit dem Bedienkomfort eines Smartphones und seinem Touchscreen verbinden soll. Darüber hinaus bietet das Priv Spitzentechnologie und einen happigen Preis von knapp 800 Euro.

Design und Verarbeitung

Das Äußere des Blackberry Priv kommt edel und technoid rüber. Dabei kann nur durch die etwas größere Dicke als bei vergleichbaren Smartphones die ausziehbare Tastatur erahnt werden. Das sonstige Design könnte auch von einem herkömmlichen Smartphone stammen, was hier lobend erwähnt werden soll. Besonders die geschwungenen Linien beim Display schinden auf den ersten Blick Eindruck und erinnern stark an die Formgebung des Samsung Galaxy S6 edge. Sie wird auch an den Rändern ober- und unterhalb des Displays weitergeführt, was oben die Frontkamera, einen kleinen Lautsprecher und einen mächtigen Blackberry-Schriftzug einrahmt. Am unteren Ende prangt eine große perforierte Fläche zwischen den beiden Rundungen.

Auch die Rückseite ist zu den längs des Smartphones verlaufenden Rändern hin abgerundet und mit einem weichen Kunststoff überzogen. Zentral hat Blackberry wieder ein Logo angebracht, das erhaben etwas aus dem Rückdeckel heraus lugt. Ebenfalls nicht komplett eingelassen wurde die Kamera. Sie sitzt in einem auffälligen runden Rahmen mit „Schneider-Kreuznach“-Schriftzug, der in die Oberfläche eingefräst ist. Die beiden LEDs zur Unterstützung der Kamera bei schlechtem Licht sind dagegen in die Rückseite eingelassen.

Die beiden kurzen Seiten sind, im Gegensatz zu den organischen Rundungen, geradlinig geschnitten und beinhalten, neben einem SIM-Slot und einem Micro-SD-Slot auf der Oberseite, die beiden Ports für USB und Klinkenstecker auf der Unterseite. Highlight des Designs ist jedoch der Schiebemechanismus, der stabil wirkt und einen fein abgestimmten Widerstand bietet, der verhindert, dass sich der Slider in der Hosentasche aufschiebt. Die Tastatur beinhaltet den Buchstabenblock, der mit Sonderzeichen und numerischen Tasten komplett doppelt belegt ist. Darüber hinaus werden Hotkeys für Lautsprecher und Mikrofon angeboten.

Blackberry Priv im Test (Hands-On)

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    ... besitzt einen 5,4 Zoll großen Bildschirm.

Die Verarbeitung erscheint beim ersten Kontakt auf sehr hohem Niveau, jedoch besitzt sie kleinere Schwächen. Am linken Rahmen sind bei Druck knarzende Geräusche zu vernehmen und der Rahmen gibt unterhalb des Power-Buttons etwas nach. Dazu kommt, dass zwar das nach oben verschiebbare Display-Modul aus Metall gefertigt ist und einen hervorragenden Eindruck macht; das Grundmodul mit der Tastatur und der Technik besteht jedoch aus Kunststoff, das an manchen Stellen etwas vom hohen Niveau abfällt. Gemeckert wird hier mit Blick auf den Preis; Ein Mittellklasse-Smartphone würde mit der Verarbeitung und den eingesetzten Materialien wohl über jeden Zweifel erhaben sein.

Beim Lieferumfang lässt sich Blackberry nicht zweimal bitten. Ein ordentliches Paar In-Ear-Kopfhörer mit Ersatzstöpseln und ein Netzteil liegen neben dem Priv in der schicken Verpackung.

Tasten und Tastatur

Neben den herkömmlichen Tasten des Blackberry Priv kommen beim Aufschieben des Displays noch zusätzliche Tasten zum Vorschein. Eine vollwertige Qwertz-Tastatur mit verschiedenen Hotkeys, Sonderzeichen und Zifferntasten wollen hier auf einem Raum von wenigen Quadratzentimetern bedient werden. Eine echte Herausforderung für den Digital Native, der Hardware-Tasten nur noch von Omas Haustelefon kennen dürfte.

Die einzelnen Tasten sind in Richtung des jeweils zu benutzenden Daumens angeschrägt, wodurch sie zur Orientierung beitragen und einen festeren Tastendruck ermöglichen. Der Druckpunkt könnte dabei allerdings etwas straffer sein. Trotzdem finden die ungeübten Finger erschreckend schnell die richtigen Wege und das Tippen geht nach ein paar Übungstexten flott von der Hand. Freilich ist es eine Geschmacksfrage, ob eine Hardware- oder eine virtuelle Tastatur bevorzugt wird; das feinere Feedback erhält man allerdings immer vom mechanischen Eingabefeld.

So viel Begeisterung das Tastenfeld auslöst, so viel Kopfschütteln ist bei der Positionierung der restlichen Tasten zu sehen. Zwischen den Lautstärketasten befindet sich ein Stumm-Taster, dessen Aufgabe darin besteht die Medienlautstärke zu nullen. Wecker- und Klingeltöne sind dabei nicht betroffen - ärgerlich, wenn man sich im Kino auf einen Stummschalter verlässt. Der Power-Taster liegt dem Dreigestirn gegenüber und wird mit dem Zeigefinger der rechten Hand gut erreicht. Nicht so toll hierbei: Da die Lautstärke-Tastenfraktion recht leichtgängig daher kommt, wird beim Display an- oder ausstellen oft die Läutstärke gleich mit verändert. Der Hang zu einer individuellen Lösung bei der Steuerung des Priv in allen Ehren, jedoch wäre hier eine einfachere Lösung wohl die bessere gewesen.

Das Design ist gelungen und die Haptik trotz der Größe toll. Kleine Mängel in der Verarbeitung und der Tastenpositionierung führen jedoch zu einem Abzug in dieser Disziplin. Aufwertend kommt hier die Qwertz-Tastatur ins Spiel, die toll integriert ist und zur guten Haptik beiträgt.

Wertung: 4,5 / 5



Bildquelle kleines Bild: inside-handy.de | Autor: Michael Büttner
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Themen dieser News: Blackberry, Oberklasse-Smartphones, Phablets

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