Kinderarbeit für Smartphone-AkkusHersteller reagieren auf Vorwürfe von Amnesty International

vom 28.01.2016, 16:38
Im Kongo werden Kinder zur gefährlichen Arbeit in Kobaltminen gezwungen
Bildquelle: Amnesty International

In der vergangenen Woche hat ein Bericht von Amnesty International die Mobilfunk-Branche aufgeschreckt. Die Lithium-Ionen-Akkus, die in Smartphones und Tablets stecken, sollen unter anderem aus Kobalt bestehen, das von Kindern im Kongo abgebaut wird. inside-handy.de hat die wichtigsten Handy-Hersteller mit diesen Vorwürfen konfrontiert und dokumentiert, mit welchen Argumenten sich die Firmen diesen Vorwürfen stellen.

In dem Bericht von Amnesty International erwähnen die Autoren lobend, dass nur Microsoft und Apple bereits aktiv geworden seien, um die unwürdigen Zustände in kongolesischen Minen zu verbessern. Und so verwundert es nicht, dass zum Beispiel Apple das Thema sehr offensiv angeht. Ein Pressesprecher verweist auf den Anspruch des Unternehmens, in der eigenen Lieferkette soziale und ökologische Standards durchzusetzen. In einem Statement zu den Vorwürfen von Amnesty International betont Apple, dass man "Kinderarbeit nicht toleriert" und regelmäßig kontrolliere, ob gegen diese Regel verstoßen werde.

Apple und Microsoft werden selbst aktiv

Erwische man einen Zulieferer bei Kinderarbeit verpflichte man diesen, das Kind wieder zu seiner Familie zu bringen, die schulische Ausbildung des Kindes zu finanzieren, den Lohn des Kindes weiterhin zu zahlen und dem Kind einen Arbeitsplatz zu bieten, wenn es das legale Alter für Arbeit erreicht hat. Apple habe im Jahr 2014 1,6 Millionen Arbeiter einer Kontrolle unterzogen und dadurch 16 Fälle von Kinderarbeit aufgedeckt und entsprechend sanktioniert. Apple ziehe sich bewusst nicht aus schwierigen Ländern wie dem Kongo zurück, da man durch die eigene Präsenz die Lage vor Ort verbessern wolle und laufend daran arbeite, die Lage der Menschen vor Ort und deren Sicherheit positiv zu beeinflussen.

Auch Microsoft hat sich auf Anfrage von inside-handy.de zum Kobalt-Abbau durch Kinder im Kongo geäußert. Man arbeite mit Hilfsorganisationen zusammen, die sich unter anderm um die Arbeitsbedingungen in Minen kümmern. "Wir haben gemeinsam mit der Organisation Pact ein Pilotprojekt in der kongolesischen Region Katanga gestartet, um Kinderarbeit in den Kobalt-Minen zu beseitigen", so ein Microsoft-Sprecher.

HTC, LG und Samsung fordern Maßnahmen der Regierung

HTC verpflichtet sich nach eigenen Angaben dazu, "die hochwertigsten Komponenten in seinen Produkten einzusetzen und hält sich an branchenweite und international anerkannte Standards." HTC stelle seinen Zulieferern die Bedingung, die eigenen Richtlinien und Bedingungen konsequent umzusetzen. Das Unternehmen verwende "keine Komponenten des Batterie-Herstellers, der in dem Bericht von Amnesty International genannt wurde."

Bei LG heißt es, dass man derzeit die eigene Lieferkette untersuche, um zu überprüfen, ob Zulieferer gegen die LG-Arbeitsschutzregeln verstoßen. Man unterstütze Amnesty International darin, dass auch die Regierungen Druck ausüben müssten, um volle Transparenz bei den Arbeitsbedingungen herzustellen. Auch LG verweist darauf, dass man sich den Regelungen diverser Verbände und Initiativen unterworfen habe, die sich um Arbeits- und Umweltschutz in der kompletten Lieferkette bemühen.

Samsung schickt in der Debatte seine Akku-Tochterfirma SDI vor, deren Pressesprecher David Sang Eun Kim gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärt, dass man mit der von Amnesty International kritisierten chinesischen Firma nicht zusammenarbeite. Wie LG und HTC scheint auch Samsung eher passiv darauf zu setzen, dass Regierungen für mehr Transparenz in den Abbaugebieten und den Kobalt-Minen sorgen. Man verlange von den Zulieferern jedoch schriftliche Auswertungen der Arbeitsbedingungen sowie Vor-Ort-Kontrollen in den Minen.

Fairphone bleibt realistisch

Für den Hersteller Fairphone gehören die schelchten Arbeitsbedingungen in Kobalt-Minen zu einem der Gründe, warum das Unternehmen sich als alternativer Hersteller auf den Smartphone-Markt gewagt hat. Eines der ersten Themen nach der Firmengründung seien die Arbeitsbedingungen im Kongo gewesen, zu einer Fairphone-Informationsreise in den Kongo aus dem Jahr 2011 existiert ein Video:

Die ethischen Probleme bei der Herstellung von Smartphones will Fairphone bewusst publik machen und ihnen durch faire Bedingungen aktiv ein anderes Konzept entgegensetzen. Bibi Bleekemolen von Fairphone weist allerdings darauf hin, dass selbst Fairphone derzeit nicht garantieren könne, dass man ausschließlich Material aus ethisch korrekten Quellen erhalte. Das Problem gehe außerdem über den Abbau von Kobalt hinaus. Problematisch sei auch die Gewinnung von Zinn, Gold, Tantalum und Wolfram. Fairphone habe sich in einem ersten Schritt darum gekümmert, dass man diese Rohstoffe ethisch korrekt gewinne. Kobalt und Kupfer seien die nächsten Materialien, um die man sich kümmern wolle. Nicht nur mit einem "Papierkrieg", sondern mit zahlreichen Vor-Ort-Terminen und voller Transparenz in der eigenen Lieferkette.

Quelle: Stellungnahmen von Apple, Samsung, HTC, LG, Microsoft und Fairphone

Bildquelle kleines Bild: Amnesty International | Autor: Christian Koch
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Themen dieser News: Unternehmen und Märkte, Alternative Hersteller, Apple, HTC, LG, Microsoft, Samsung

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