Smartphone kaufen in ChinaVerbraucherzentrale warnt vor Fallen beim Online-Shopping

vom 20.01.2016, 16:02
Ali Express Screenshot
Bildquelle: Ali Express

Der Kauf von Smartphones direkt bei Händlern in Fernost über das Internet wird zunehmend beliebter. Manch ein exotisches Gerät lässt sich nur auf diesem Weg beziehen, bei anderen Modellen lässt sich manchmal ein Schnäppchen machen im Vergleich zu den Preisen in Europa. Die Verbraucherzentrale warnt nun vor dem sorglosen Einkauf in den vermeintlich sicheren Shops aus China und anderen asiatischen Ländern.

Die oft unter dem Begriff "China-Shops" zusammengefassten Händler landen manches Mal in Preis-Vergleichen auf dem ersten Platz oder bieten ihre Ware besonders günstig über Ebay oder Amazon an. Die Rabatte sind verlockend und das Angebot wirkt seriös. Nach Ansicht der Verbraucherschützer sollte man dennoch zweimal hinsehen, bevor man bei einem Anbieter mit Sitz in Fernost einkauft.

Kritisiert wird zum Beispiel, dass sich oftmals Bestellungen in deutscher Sprache aufgeben lassen, aber andere Informationen zu Versand und Rückgabe nicht übersetzt zur Verfügung stehen. Ein prominentes Beispiel sei der Button zum Käuferschutz beim chinesischen Online-Marktplatz Aliexpress. Aus den bei ihnen eingehenden Beschwerden wissen die Experten, dass es brenzlig werden kann, wenn man mit einem mehrere tausend Kilometer entfernten Shop über Rückgabe oder Mängelbeseitigung verhandeln muss.

Besonders problematisch sei es, wenn die Shops es an der nötigen Transparenz mangeln lassen und der Käufer gar nicht merkt, dass er in China einkauft: "Nicht jeder, der sich auf die Seiten von "eInrow.de" oder "lightinthebox.com" klickt, weiß um den fernen Standort des Versenders. Erheblich erschwert wird der Durchblick, wenn andere Shops ganz auf ein Pflicht-Impressum verzichten oder Kontaktdaten verheimlichen. Verständlich dann, dass Besteller über mehrwöchige Lieferzeiten klagen."

Kosten und Zeitaufwand durch den Zoll

Ein weiteres Problem für Käufer von Aliexpress und Co. kann der Zoll werden: Die Beamten konfiszieren regelmäßig Plagiate und Waren ohne ein benötigtes CE-Kennzeichen. Zur Kasse bittet der Zoll außerdem, wenn Kunden Einkäufe im Gesamtwert (Warenwert plus Porto) von mehr als 22 Euro tätigen. "Zu berappen ist in der Regel eine 19-prozentige Einfuhrumsatzsteuer", so die Verbraucherzentrale. Für viele Technikartikel wie Smartphones über 150 Euro seien obendrein weitere Einfuhrabgaben von bis zu 17 Prozent fällig. Das vermeintliche Schnäppchen relativiert sich dann schnell und auch die zeitraubende Prozedur auf dem Zollamt werde von vielen unterschätzt.

Nicht glauben sollte man "radebrechenden Versprechungen" der Shops wie: "Sie brauchen keine Steuer für die Produkte zu bezahlen. Alle Pakete, die wir verschicken werden, wollen als 'Geschenk´ markieren, und die Sitte" (gemeint ist wohl der Zoll) "wird nicht überprüfen." Denn auch Geschenksendungen unterliegen, so die Verbraucherzentrale, einer stichprobenartigen Kontrolle und könnten, etwa weil eine Rechnung beiliegt, aus dem Verkehr gezogen werden. Darüber hinaus sei auch für sie ab einem Warenwert über 45 Euro Steuer zu entrichten.

Probleme mit dem Widerruf

Probleme gebe es oft auch mit der Widerrufsbelehrung, so eine Stichprobe der Verbraucherschützer mit zehn Shops: "Bei allen fehlte der Hinweis, dass die Ware nach Erhalt innerhalb von 14 Tagen zurückgeschickt werden kann - ohne Angabe von Gründen." Es werde lediglich eine "Rückgabe" innerhalb von sieben Werktagen angeboten und das allein bei "funktionalen Problemen" oder "Qualitätsmängeln". Oder aber der Shop schnibbelte die zweijährige gesetzliche Gewährleistung klein, die Neuware-Käufer hierzulande schützt. Denn eingeräumt wurde bei Mängeln allenfalls ein "Umtausch" binnen 30 Werktagen. Bei "Missfallen der Ware" wiederum sollte das 14-tägige Widerrufsrecht glatt halbiert werden. Obendrein waren zehn Prozent vom Kaufpreis perdu. Andere drohten für diesen Fall gar mit 20 Prozent Abzug. Auch waren etwa Retouren anzumelden und eine autorisierte RMA-Nummer einzuholen. "Das komplette Verpackungsmaterial" war aufzubewahren und Schäden sollten vorab ausführlich, etwa anhand von Fotos, dokumentiert werden.

Wer sich dieser Prozedur unterziehe, müsse zudem die Porto-Kosten im Blick halten - besonders wenn "Hongkong" oder "Ghenzhou" auf dem Adress-Etikett steht. DHL beispielsweise kassiere für solche Pakete (bis fünf Kilo) rund 43 Euro - meist zu Lasten der Kunden. Teuer statt billig kann so letztlich ein Kauf enden, belegt die Verbraucherzentrale mit dem "Beispiel eines Kunden der für 135,99 Euro einen Elektrorasierer geliefert bekam, dessen Schalter defekt war. Für die Rückabwicklung des Kaufs verlangte der Shop eine Bearbeitungsgebühr von 18 Euro. Hinzu kam eine "Lagerauffüllgebühr" von 50 Euro wegen geöffneter Originalverpackung. Zusammen mit den Versandkosten von knapp 43 Euro sollte ihn die Gewährleistungsretoure satte 111 Euro kosten." Nicht verwunderlich sei es daher, dass Kunden schon mal im Internet resümieren: "Wenn ich in China einkaufe, schminke ich mir Gewährleistung und Garantie schon vorher ab."

Sicherer Einkauf bei Amazon, sicheres Bezahlen bei Paypal 

Einen sicheren Hafen für den Online-Einkauf bietet der Marketplace von Amazon, da auch Kunden ausländischer Shops dort die "A bis-Z-Garantie" in Anspruch nehmen können, falls Händler Widerrufsrecht und Gewährleistung verweigern oder horrende Mehrkosten für ferne Retouren partout nicht erstatten wollen.

Auch beim Bezahlen macht man nach Ansicht der Verbraucherschützer nichts falsch, wenn man auf die Kreditkarte verzichtet und eine sichere Methode wählt: "Wie bei jedem Onlinekauf sollten Kunden stets auf eine sichere Bezahlung achten. Ein Kauf auf Rechnung oder per Lastschrift, PayPal oder Amazon payments bietet Schutz, wenn ein Artikel nicht versandt wird oder erheblich von der Beschreibung des Verkäufers abweicht."

Bildquelle kleines Bild: Ali Express | Autor: Christian Koch
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Themen dieser News: Smartphones

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