Smartphone-Hersteller in der KritikAmnesty International: In vielen Handys steckt Kobalt aus Kinderarbeit

vom 21.01.2016, 13:51
Im Kongo werden Kinder zur gefährlichen Arbeit in Kobaltminen gezwungen
Bildquelle: Amnesty International

In jedem modernen Smartphone steckt heute ein Lithium-Ionen-Akku. Zur Herstellung dieser Energiespeicher wird das Element Kobalt benötigt. Im Kongo wird dieses Metall durch Kinderarbeiter gewonnen – mit verheerenden gesundheitlichen Konsequenzen für die ausgebeuteten Kinder. Trotzdem steckt Rohstoff aus diesen Minen der Menschenrechts-Organisation Amnesty International zufolge in den Akkus beinahe aller großen Hersteller.

Wie die Organisation anprangert, schaffen es die meisten großen Hersteller nicht, sicherzustellen, dass in ihren Produkten kein Kobalt verwendet wird, das durch Kinderarbeit gewonnen wurde. Das schließe Apple, Samsung und Sony mit ein, so die Menschenrechtler.

In einem Report, den die Organisation gemeinsam mit Afrewatch (African Ressources Watch) in dieser Woche veröffentlichte, wird der Verkauf von Kobalt aus Mienen nachverfolgt, in denen Kinder schon im Alter von sieben Jahren unter prekären Bedingungen zur Arbeit gezwungen werden. Das Dokument trägt den Titel "This is what we die for: Human rights abuses in the Democratic Republic of the Congo power the global trade in cobalt", zu Deutsch etwa: "Wofür wir sterben: Wie Menschenrechtsverletzungen in der Demokratischen Republik Kongo den globalen Kobalthandel am Laufen halten". Über die Hälfte des weltweit geförderten Kobalts stammt aus dem Kongo.

Der Report dokumentiert wie Zwischenhändler Kobalt in Gegenden einkaufen, in denen Kinderarbeit grassiert und den Rohstoff an Congo Dongfang Mining (CDM) verkaufen, einer Tochtergesellschaft des chinesischen Mineralstoffgiganten Huayou Cobalt. Diese verarbeiten das Kobalt vor dem Verkauf und veräußern das Metall anschließend an die Batteriekomponenten-Hersteller Ningbo Shanshan und Tianjin Bamo aus China und L&F Materials aus Südkorea. Diese wiederum bieten ihre Produkte namhaften Technologie- und Auto-Unternehmen an, darunter Apple, Microsoft, Samsung, Sony, Daimler und Volkswagen.

Tödliche Minenarbeit unter ausbeuterischen Bedingungen

Kinder arbeiten in den betroffenen Minen bis zu zwölf Stunden am Tag und tragen schwere Lasten durch schmale, von Menschenhand gegrabene Tunnel. Gerade in kleineren Minen werde mit bloßer Hand oder nur mit sehr primitivem Werkzeug gearbeitet, wie Amnesty International im Gespräch mit einigen Kinderarbeitern herausfand. Dafür verdienen die ausgebeuteten Kinder zwischen einem und zwei US-Dollar pro Tag. Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF geht davon aus, dass 2014 etwa 40.000 Kinder im Süden des Kongo in Minen gearbeitet haben. Viele von ihnen haben Kobalt abgebaut.

Die Arbeit in den Minen ohne entsprechende Schutzkleidung verursacht bei den Kindern langfristige Gesundheitsprobleme, wie etwa bleibende Lungenschäden. Doch auch tödliche Unfälle sind an der Tagesordnung. Mindestens 80 Menschen starben allein zwischen September 2014 und Dezember 2015 in den Mienen des Südkongo. Die Dunkelziffer dürfte noch deutlich darüber liegen, da viele Unfälle gar nicht verzeichnet werden und die Leichen der Unfallopfer im Geröll vergraben bleiben.

Technologiehersteller wollen von nichts wissen

Amnesty International hat 16 multinationale Konsumentenmarken kontaktiert, die als direkter oder indirekter Kunde der drei Batteriekomponenten-Hersteller gelistet sind. Weder stand eine der Marken mit Huayou Cobalt in Kontakt, noch hat sich einer der Elektronikproduzenten vor dem Kontakt durch Amnesty mit der Herkunft des Kobalt in seinen Produkten auseinandergesetzt.

Zwar vertreten viele dieser Unternehmen eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Kinderarbeit, "doch diese Versprechen sind nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind, wenn die Firmen ihre Zulieferer nicht untersuchen", so Menschenrechtsermittler Mark Dummett von Amnesty International. "Firmen, deren weltweiter Gewinn sich auf 125 Milliarden US-Dollar beläuft, können nicht glaubhaft versichern, nicht prüfen zu können wo die wichtigsten Mineralstoffe ihrer Produkte herkommen."

Aktuell gibt es keine Regulierung des internationalen Kobaltmarkts. Kobalt fällt zum Beispiel nicht unter die Regeln für "Konfliktmetalle" der Vereinigten Staaten, die Gold, Coltan/Tantal, Zinn und Wolfram einschließen. Amnesty International und Afrewatch rufen deshalb die Hersteller von Geräten mit Lithium-Ionen-Batterien dazu auf, nachzuforschen ob das Kobalt in ihren Produkten unter gefährlichen Bedingungen oder in Kinderarbeit gewonnen wurde und von diesen Zulieferern nicht mehr zu kaufen.

Quelle: Amnesty International

Bildquelle kleines Bild: Amnesty International | Autor: Stefan Winopal
News bewerten:
 
10 / 10 - 2Stimmen

Themen dieser News: Unternehmen und Märkte, Apple, Microsoft, Samsung, Sony

Kommentar schreiben


 
 
VERWANDTE NEWS
Liam baut alte iPhones auseinanderRecycling-Programm von Apple
Liam baut alte iPhones auseinanderRecycling-Programm von Apple
Finale Version von Fritz!OS 6.52 landet auf WLAN-Router von AVMUpdate für Fritz!Box 7490 international
So lassen sich Akkus recycelnForschung: Bio-Akkus aus Sprossen und Kiefernadeln
Android 5.1.1 schwappt wieder nach EuropaUpdate für Samsung Galaxy Note 4
LGs Flaggschiff sackt um 100 Euro abLG V10 Schnäppchencheck

alle News ansehen