Test LG Rolly und Microsoft Foldable KeyboardGerollt oder gefaltet: Tastaturen für den mobilen Einsatz

vom 10.01.2016, 14:44
LG Rolly und Microsoft Foldable Keyboard

Displays von Smartphones und Tablets werden immer größer und mittlerweile sind die verbauten Prozessoren so leistungsstark, dass auch flüssiges Arbeiten an den mobilen Geräten möglich ist. Ein großer Nachteil: Die Eingabefunktionen von Smartphones sind beschränkt: Neben Stifteingabe und Touchscreen kostet jede Eingabe über eine virtuelle Tastatur wertvollen Display-Platz. Das wollen LG und Microsoft mit ihren mobilen Tastaturen verhindern.

Größe

Ganz billig sind beide Tastaturen nicht: Die Rolly von LG will mit 119 Euro und das Foldable Keyboard mit knapp 100 Euro bezahlt werden. Beide bauen auf die gleiche Devise: Vollwertige Tastatur im kompakten Format und wenden dabei zwei verschiedene Methoden, an sich unterwegs möglichst klein zu machen. Das Rolly setzt auf einen Rollmechanismus, der es der Breite nach verkleinert und so ein recht langes Packmaß von gut 26 cm erreicht. Dafür ist der entstehende Stab nur 2,5 cm im Quadrat dick. Das Foldable Keyboard klappt einmal über die Länge der Tastatur zusammen, was zu einem dünnen aber flächigen Packmaß führt. Zusammengeklappt ist die Tastatur von Microsoft nur gut 1 cm dick, braucht jedoch eine Tasche mit mindestens 14,5 x 12,5 cm.

LG Rolly und Microsoft Foldable Keyboard

Klein gemacht: Falten oder rollen, beides hat Vorteile

Das geringere Volumen in der Tasche nimmt die Tastatur von LG ein. Sie braucht gut 160 cm³, während die Tastatur von Microsoft gut 20 cm³ mehr braucht. Das Volumen ist jedoch nicht das entscheidende Kriterium: Das Wie ist viel wichtiger: Während die Mitnahme der Tastaturen mittels Rucksack oder Laptoptasche sowieso funktioniert, wird es mit anderen Transportmöglichkeiten schon schwieriger. Eine Handtasche im Clutch-Format wird wohl eher die Microsoft-Tastatur aufnehmen können, jedoch haben beide Tastaturen in jedes Täschchen der Redaktion ihre Plätze ohne Mühe gefunden. Somit sollte hier der Formfaktor über die Auswahl der richtigen Tastatur entscheiden und nicht das Volumen oder die Größe an sich.

Gewicht

Beim Gewicht sind sich die beiden Tastaturen ebenfalls recht ähnlich: Die 180 Gramm des Foldable Keyboards sind zwar 22 Gramm oberhalb des LG Rolly, jedoch liegen die Tastaturen bei der Nutzung, im Gegensatz zu einem Smartphone bei dem 22 Gramm entscheidend sein können, da es in der Hand gehalten wird, auf dem Tisch. Einzig beim Herumtragen der Tastaturen spielt das Gewicht eine Rolle, jedoch sollte der Gewichtsunterschied in der Tasche auch von weniger starken Nutzern nicht bemerkt werden.

Dass bei den Tastaturen-Gewichten keine Klaviertransporteur-Waden nötig sind, ist erfreulich, jedoch nicht überraschend. Wo sich das Gewicht ein wenig auswirkt ist jedoch bei der Standfestigkeit auf der Ablage, wie dem Tisch oder den Oberschenkeln. Das Foldable Keyboard ist hier etwas im Vorteil, was aber nicht ausschließlich auf das Gewicht zurückzuführen ist.

Haptik

Die Haptik der beiden Tastaturen wirkt grundsätzlich unterschiedlich. Microsoft baut auf einen weichen Kunststoff, welcher auch bei den Tastaturen der Surface-Tablets zum Einsatz kommt. LG dagegen verspricht sich von Hartplastik eine stabile Konstruktion. Beide Materialien haben ihre Vor- und Nachteile: Während die rauen Oberflächen des Foldable Keyboards einen angenehmen Grip besitzen, sind sie auch recht schmutzempfindlich. Staub bildet hier schnell einen unschönen Rahmen um die beiden Flächen, die zusammengeklappt zu sehen sind. Das LG Rolly ist dagegen glatt und fühlt sich nicht ganz so hochwertig an. Dafür ist es schmutzresistent und wenn doch mal ein Fleck zu sehen ist, ist er mit einem Wisch verschwunden.

LG Rolly gegen Microsoft Foldable Keybord

  • 1/17
    Hands On im Test des LG Rolly gegen das Microsoft Foldable Keybord bei inside-handy.de
  • 2/17
    Hands On im Test des LG Rolly gegen das Microsoft Foldable Keybord bei inside-handy.de

Das Foldable Keyboard besitzt außer einem Micro-USB-Eingang keine Anschlüsse oder bewegliche Teile. Damit wirkt es sehr stabil und wenig anfällig gegenüber mechanischen Schäden. Auch der Klappmechanismus nimmt keinen Schaden bei längerer Beanspruchung. Beim Rolly befinden sich dagegen einige mechanische Bauteile im Fokus des Nutzers. Die Aufstellärmchen, die auf der Rückseite ausgeklappt werden können und ein Tablet oder ein Smartphone in der Senkrechten halten, wirken nicht zu 100 Prozent vertrauenerweckend und sollten mit Vorsicht auf und zu geklappt werden. Die Gelenke zum Einrollen zwischen den einzelnen Tastaturzeilen sind zwar äußerst leicht zu bewegen, sind jedoch stabiler als im ersten Moment anzunehmen ist.

Schreibkomfort

LG und Microsoft gehen an das Thema Tastaturlayout völlig unterschiedlich heran: LG baut auf voneinander entfernte Tasten und eine weitgehend durchgängige Tastengröße. Lediglich die zwei Sonderzeichen-, die beiden Umschalt- und die Enter-, sowie die Leer-Taste(n) sind in anderen Formaten als die Standard-Buchstaben- und Zifferntasten ausgeführt. LG begnügt sich auch mit vier Tastaturzeilen, was eine geringere Tastenanzahl zur Folge hat. Das geht sogar soweit, dass die Umlaute aus dem deutschen Sprachgebrauch komplett eingespart wurden und man sich hier mit Buchstabenkombinationen wie ue und oe behelfen muss. Auch mit der Dreifach-Belegung der obersten Buchstabenzeile mit Nummerntasten und Sonderzeichen, kommt LG nicht auf die Zeichenzahl der Microsoft-Tastatur. Sie besitzt sechs Zeilen und verzichtet auf Zwischenräume zwischen den Tasten. Auch deshalb und aufgrund der großen Spalte in der Mitte, die wegen des Klappmechanismus entsteht, sind die Tasten jedoch unterschiedlich groß. Das erfordert eine recht lange Eingewöhnungszeit und Verzweiflung während der ersten 10.000 Zeichen. Durch die erhöhte Tastenzahl und ebenfalls einer teilweisen Dreifachbelegung kommt Microsoft auf eine sehr große Zeichenzahl, die um Funktionstasten zum Steuern von beispielsweise der Lautstärke komplettiert wird. Beim Funktionsumfang zieht also das Rolly den Kürzeren.

LG Rolly und Microsoft Foldable Keyboard

Mehr Platz bietet das Microsoft Foldable Keyboard

Beim Tippen hingegen gibt das LG Rolly das bessere Feedback und auch beim Finden der richtigen Taste hat das Rolly die Nase vorne. Hier helfen zum einen die gleiche Tastengröße und die Abstände zwischen den Tasten. Für große Hände stellt das Microsoft Foldable Keyboard mehr Platz bereit. Die Fläche, auf die die Tasten verteilt sind, ist breiter und durch den Spalt zwischen den beiden Blöcken besitzen die Hände etwas mehr Platz.

Dabei sollten potenzielle Käufer dringend beide Tastaturen vor dem Kauf ausprobieren, da die Geschmäcker hier doch sehr weit auseinandergehen. Der Komfort beider Tastaturen kann an eine vollwertige Tastatur nicht heranreichen. Um in der Uni die Vorlesung mit Notizen zu begleiten ohne den Eindruck zu machen, dass man heimlich Nachrichten schreibt, oder im Meeting ein Dokument mit den neuesten Zahlen auszustatten, reichen die Tastaturen auf jeden Fall. Dabei bilden sie sicherlich einen Komfortgewinn gegenüber den virtuellen Tastaturen der Smartphones.

Variabilität

Beide Tastaturen verbinden sich mit Android, iOS und Windows 10 und sind somit für alle bedeutenden Systeme brauchbar. Trotzdem gibt es klare Einsatzgebiete in denen die Nadel entweder zum LG Rolly oder zum Microsoft Foldable Keyboard ausschlägt.

Tisch und externer Monitor

Wenn ein externer Monitor an das Smartphone angeschlossen werden soll, besitzt die Microsoft-Tastatur kleine Vorteile. Die größere Fläche des Tastenfeldes und die höhere Anzahl an einfach zu tippenden Zeichen sind hier die großen Pluspunkte. Gerade wenn Windows 10 Mobile auf dem Gerät installiert ist, kann mit dem Spezialisten von Microsoft die Desktop-Ansicht einfacher und umfangreicher gesteuert werden. Das Microsoft Foldable Keyboard taugt deshalb und wegen der Umlauteinbindung eher als Ersatz für eine Hardwaretastatur unterwegs, als das LG Rolly.

Smartphone und Tablet als Monitor

Bei der Nutzung mit einem großen Smartphone oder einem Tablet, bietet das LG Rolly die besseren Möglichkeiten. Sie besitzt im Gegensatz zum Foldable Keyboard Kunststoffärmchen zum Ausklappen, die das entsprechende Gerät in einer angewinkelten Position im Blickfeld des Nutzers halten. Erstaunlich: Selbst das recht schwere iPad Air wird vom Rolly sicher gehalten. Mit einer solchen Vorrichtung ist das Foldable Keyboard nicht ausgestattet, womit der Nutzer unterwegs immer einen Punkt zum Anlehnen des Phablets, Tablets oder Smartphones benötigt.

LG Rolly und Microsoft Foldable Keyboard

Vorteil LG: Das Rolly besitzt eine Smartphone-Stütze

Eine weitere Eigenschaft bevorteilt das LG Rolly gegenüber seinem Microsoft-Pendant: Durch die Gelenke in Längsrichtung der Tastatur kann sie auch ohne stabile Unterlage genutzt werden. Während das Microsoft Foldable Keyboard wegen seines Klappmechanismus durch die Beine rutscht, hält das LG Rolly relativ stabil auf den Knien.

Fazit

Beide Tastaturen befinden sich auf einem guten Verarbeitungsniveau und besitzen neben der Kompaktheit noch weitere tolle Funktionen, die sie jeweils für ein Spezialgebiet interessant machen.

Das Microsoft Foldable Keyboard spielt seine Stärken vor allem in Kombination mit einem schlanken aber stabilen Arbeitsplatz mit Monitor aus. Wenn Windows 10 mit Continuum und Universal-Apps genutzt werden bildet es einen starken Partner zum Lumia 950 oder dem Lumia 950 XL und zur ebenfalls klappbaren Maus von Microsoft.

Soll mobiler und ohne Monitor gearbeitet werden, empfiehlt sich eher das Rolly von LG. Es besitzt mit den Aufstellern und der variableren Aufstellmöglichkeit zwei Trümpfe bei der das Foldable Keyboard alt aussieht.

Beide Tastaturen sind schicke und praktische Helfer für Nutzer, die auch unterwegs nicht auf eine Hardware-Tastatur verzichten wollen und dabei mit leichtem Gepäck reisen. Die Preise von knapp 100 (Foldable Keyboard) und knapp 120 Euro (Rolly) sind kein Kaufargument. Beide Preise sind ambitioniert und vermasseln ein wenig den guten Auftritt beider Tastaturen.

Trotzdem können das Microsoft Foldable Keyboard und auch das LG Rolly gefallen und sind für einen zwar kleinen aber dafür umso unterversorgten Nutzerkreis zu empfehlen. Welches Modell es dann jeweils werden soll, hängt also nur vom Einsatzzweck ab.

Bildquelle kleines Bild: inside-handy.de | Autor: Michael Büttner
News bewerten:
 
10 / 10 - 1 Stimme

Themen dieser News: Zubehör, LG, Lumia 950 (XL), Microsoft, Phablets, Tablets

Kommentar schreiben


 
 
VERWANDTE NEWS

alle News ansehen