Huawei will Marktführer werdenSmartphones sollen so leistungsstark werden wie heutige Spiegelreflex-Kameras

vom 05.01.2016, 08:39
Huawei Lichtmalerei mit dem P8

Der Chef der Privatkunden-Sparte von Huawei, Richard Yu, findet Gefallen am Ökosystem von Apple. Müsste er sich zwischen einem Samsung-Smartphone auf Basis von Android und einem iPhone von Apple entscheiden, würde seine Wahl auf das Apple-Telefon fallen. Das Betriebssystem iOS sei "schlichtweg am verführerischsten", sagte Yu in einem Interview mit der "Welt".

Auch wenn es sicher nicht beabsichtigt war, widerspricht er damit dem Android-Chefdesigner Matias Duarte, der erst kürzlich mächtig gegen iOS ausgeteilt hatte. Kritik an Apple zu üben, ist aber vermutlich auch Teil des Jobs eines Google-Managers. Yu ist hingegen überzeugt, dass iOS viele Vorteile mit sich bringt: "Die Nutzer-Erfahrung ist in vielen Fällen besser als bei Android. Da muss Android noch nachlegen. Apple kontrolliert stärker das, was Apps machen dürfen. Bei Android macht fast jeder, was er will." Huawei stehe mit Google in Gesprächen, um Nutzern mehr Kontrolle über das zu geben, was Apps tun dürfen. "Ich habe den Eindruck, dass Google das verstanden hat", so Yu.

Als den größeren Konkurrenten hat Yu allerdings nach derzeitigem Stand der Dinge nicht Apple ausgemacht, sondern Samsung. Wenngleich Apple auf lange Sicht aber wohl der gefährlichere Wettbewerber sei. "Im weltweiten Markt sind Samsung und Apple noch führend. Hier wollen wir erst Samsung bei den Stückzahlen überholen und uns dann Apple im Premium-Markt vornehmen." In Microsoft und Windows 10 sieht er hingegen keinen echten Konkurrenten. Microsoft müsse die Frage beantworten, warum sich jemand ein Windows-Smartphone kaufen sollte. "Noch sehe ich keinen großen Vorteil darin."

Das erklärte Ziel von Huawei ist eindeutig: "Wir schließen schnell zur Nummer zwei und zur Nummer eins auf. Am Ende werden wir Marktführer sein", zeigt sich Yu angriffslustig. Vielleicht gelinge das schon in drei oder vier Jahren. "Unsere Produkte werden immer besser. Das gilt auch für das Marketing und den Vertrieb. Wir schaffen das." Spätestens im Jahr 2017 werde man Apple bei der Stückzahl verkaufter Smartphones hinter sich gelassen haben und zur zweitstärksten Kraft am Mobilfunk-Markt aufgestiegen sein, ist der Huawei-Manager überzeugt. Discount-Smartphones zu verkaufen hat Huawei inzwischen aber aufgegeben. Das Geschäft sei schlicht nicht profitabel.

Bessere Akkus frühestens in fünf Jahren

Kritisch sieht Yu die ausbleibenden Apple-Innovationen. "Apple ist seit dem Tod von Steve Jobs nicht mehr so innovativ. Wir haben auf der Innovationsseite die Chance, Apple und auch Samsung hinter uns zu lassen." Unter anderem bei der Akkulaufzeit will Huawei langfristig für Besserung sorgen. Es seien aber komplett neue Batterietechnologien notwendig, was noch mindestens fünf Jahre Zeit in Anspruch nehme.

Der Trend zu immer größeren Smartphone-Displays ist laut Yu kaum aufzuhalten. Zwar werde sich die Größe der Handys insgesamt nicht weiter zulegen, faltbare Displays dürften aber auch auf dem Smartpone-Markt Einzug erhalten. "In zwei bis drei Jahren werden wir faltbare Displays haben, dann sind die Smartphones klein, die Displays aber groß." Auch mit Blick auf die Kameratechnik prophezeit Yu Großes: "Wir werden die Smartphones so leistungsfähig machen, wie es heute die großen und schweren Spiegelreflex-Kameras sind." Weitere Details dazu wollte er gegenüber der "Welt" aber noch nicht verraten.

Quelle: Welt

Autor: Hayo Lücke
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Themen dieser News: Huawei, Mobilfunk-News, Unternehmen und Märkte

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