Microsoft Display-Dock im TestLumia 950 XL: Continuum ausprobiert

vom 11.01.2016, 15:14
Microsoft Lumia 950 XL Continuum

Microsoft hat mit dem Lumia 950 XL eine neue Funktion vorgestellt, die das Phablet mit Windows 10 Mobile zu einem Computer machen soll. Continuum kann zwar mittels eines herkömmlichen Adapters von USB-Typ-C auf HDMI zumindest rudimentär betrieben werden, jedoch verspricht erst das Display-Dock von Microsoft, das volle Potential der neuen Funktion zu entfalten. Im Praxistest zeigt sich, wo die Tücken liegen.

Mit dem Display-Dock gelingt die Verbindung von Handy, Display, Maus, Tastatur und bei Bedarf noch weiterer Peripherie-Geräte. Der Preis des kleinen Kommunikators liegt bei stattlichen 109 Euro, jedoch liegt er den beiden neuen Spitzenmodellen Lumia 950 und Lumia 950 XL bei einem Kauf bis Februar kostenlos bei.

Das Display-Dock bringt jedoch echte Vorteile gegenüber einem herkömmlichen Adapter-Kabel oder der Display-Konnektion mittels Miracast: Die Übertragung erfolgt mit dem Display-Dock in Full-HD und mit 60 Bilder pro Sekunde. Die kabellose Verbindung bringt es laut Microsoft nur auf 30 HD-Bilder pro Sekunde. Mit dem Dock ist kein weiteres Stromkabel nötig, um mit dem Lumia 950 XL zu arbeiten. Das Phablet wird, wie das Smartphone Lumia 950, mit Fast Charging über das Display-Dock zeitgleich geladen.

Beim ersten Kontakt mit dem Display-Dock fällt vor allemdas Material und das Gewicht auf: Verzichtet Microsoft bei seinen neuen Smartphones völlig auf Metall als Gehäuse-Material, strotzt das Display-Dock mit einer schweren Rüstung. Sie zeichnet auch für das hohe Gewicht von 230 Gramm verantwortlich. Bei den geradezu winzigen Maßen von gut 64 mm im Quadrat und knapp 26 mm in der Höhe fühlt sich das kleine Gerät geradezu monströs schwer an. Doch das Gewicht hat seine Vorteile: Es verleiht dem Display-Dock eine hochwertige Aura und vor allem können die Kabel den grau-schwarzen Kasten kaum vom Tisch ziehen - eine nicht zu verachtende Eigenschaft, besonders, da die beiden neuen Smartphones Lumia 950 und Lumia 950 XL sehr leicht sind und dem Kistchen schnell in den Abgrund folgen würden. Die Haftung wird noch durch eine gummierte Unterseite gefördert, mit der das Display-Dock kaum ungewollt auf der Tischplatte verschoben werden kann.

Die Verarbeitung wirkt hochwertig und nicht nur das Gewicht vermittelt ein gutes Gefühl bei der Nutzung. Auch die Steckplätze und die sauber eingefrästen Anschluss-Aussparungen tragen dazu bei.

Anschluss und Einrichtung

Sobald das Display-Dock mit dem Monitor und den Eingabegeräten verbunden ist und das Lumia 950 XL angeschlossen wird, öffnet sich die App Continuum, die aus dem Smartphone nicht nur die Rechenzentrale des Aufbaus macht, sondern das Touch-Display zum Touchpad für die Maussteuerung umfunktioniert. Somit kann, auch ohne einen zusätzlichen Helfer oder eine große Tastatur mit Touchpad, Laptop-like gearbeitet werden. Mit etwas Übung gelingt es dann auch mit zwei Händen am Smartphone zwischen der Touchpad-Funktion und der Tastatur-Funktion hin und her zu wechseln, ohne großes Theater machen zu müssen.

Geübte Zwei-Daumen-Schreiber bekommen mit der virtuellen Tastatur auch eine ordentliche Geschwindigkeit beim Tippen auf den großen Bildschirm, jedoch ist zum vernünftigen Arbeiten eine Hardware-Tastatur und eine Maus zu empfehlen. Eine platzsparende Möglichkeit wird von Microsoft mit der kleinen Klapptastatur Universal Foldable Keyboard optional mitgeliefert. Sie ist mit einem kleinen Kniff recht flott per Bluetooth verbunden und arbeitet dann zuverlässig und ohne fühlbaren Zeitversatz zwischen Anschlag und Anzeige. Der Kniff, der beim Verbinden der Tastatur mit dem Lumia 950 XL anzuwenden ist besteht darin, dass eine Zahlenkombination auf der Tastatur getippt werden muss, die allerdings mit einem Druck auf die Entertaste bestätigt werden muss. Die sonst recht detaillierte Beschreibung des Verbindungsvorgangs im Phablet erwähnt diesen Kniff nicht, was zu Irritationen führen kann. Der Anschluss einer Bluetooth- oder kabelgebundenen Maus über das Display-Dock gestaltet sich einfacher: Der Dongle wird sofort erkannt und die Kabelgebundene Maus ebenso. Die Bedienung erfolgt dann wie bei der Tastatur ohne große Verzögerung. Auch hier bietet Microsoft mit einer eigenen Maus eine native Lösung an, die in Sachen Haptik und Verarbeitung mit der Tastatur und dem Display-Dock mithalten kann.

Apps und Funktionen

Nach dem Einrichten und dem Start der betreffenden Programme, kommt recht schnell ein echtes Computer-Feeling auf, jedoch werden einige Nutzer ein paar altehrwürdige Funktionen und Steuerungsmöglichkeiten vermissen. So bleibt der Rechtsklick der Maus zumeist ohne Funktion und auch an den eingeschränkten App-Markt muss man sich erst gewöhnen. Dazu werden die Office-Anwendungen für die Continuum-Funktion für große Bildschirme, wie es bei Microsoft zum Standard gehört, bald kostenpflichtig, was Microsoft in der bisherigen Produktkommunikation zum Lumia 950 und dem Lumia 950 XL allerdings verschwiegen hat.

Sie funktionieren wie der neue Browser Edge auf größeren Monitoren einwandfrei und beispielsweise Browsen, Downloads und das Bearbeiten von Dokumenten ist auch parallel möglich. Die Leistungsreserven des Lumia 950 XL sind hier enorm.

Trotzdem stößt man immer wieder auf frustrierende Grenzen in der Bedienbarkeit und der Anwendungsfülle. So sind zwar einige Apps, wie die erwähnten Office-Programme, die Kamera und der Browser Edge schon als Universal-Apps auch für größere Monitore geeignet und können so auch gestartet werden, jedoch hat Microsoft einige Anwendungen bisher nicht mit eingebunden. So ist die App Gadgets zum Verwalten von Peripherie-Geräten und auch die App Lumia Creative Studio noch nicht auf dem neuesten Stand. Das mag bei Drittanbietern noch in Ordnung gehen, die aufgrund der momentanen Nischensituation von Universal Apps kein großes Engagement zeigen, ihre Windows-10-Apps anzupassen, jedoch muss Microsoft seine eigenen Apps sobald als möglich nachrüsten und mit der Verbreitung von Windows 10 als Desktop-Variante möglichst viel Druck aufbauen gegenüber denn Drittanbietern, damit hier mehr Bewegung in das Angebot kommt.

Trotz der Kritik: Die Lösungen, die Microsoft für seine eigenen Universal-Apps geschaffen hat, sind durchweg positiv. So ist die Nachrichten-App sehr schick gestaltet und der Browser Edge sehr flink. Dazu kommt der nett gestaltete App-Store, der nun für alle Oberflächen vereinheitlicht wurde. Hier wäre allerdings ein Bereich, der die Universal-Apps auf einen Blick zeigt, mehr als hilfreich. Besonders dann, wenn sich der Nutzer auf dem großen Monitor und über das Smartphone mit dem App-Store verbindet, wäre ein solcher Bereich eine Wohltat.

Fazit

Microsoft hat eine tolle Funktion in die Smartphone-Welt gebracht, die noch an der ein oder anderen Stelle etwas hakt, aber im Großen und Ganzen einen sehr guten Eindruck macht. Die Hardware, die Microsoft zur Verfügung stellt, ist gut verarbeitet und mit sinnvollen Features ausgestattet. Die Klappmaus und die Klapptastatur besitzen eine tolle Haptik und eine ordentliche Verarbeitung. Das Display-Dock stellt als Verbindung zu allem ein tolles Zentrum dar, das ebenfalls hardwareseitig voll überzeugen kann.

Ein paar Schwächen sind vor allem bei der Software zu finden. Dass noch nicht viele Drittanbieter ihre Apps bisher angepasst haben ist verschmerzbar, wenn es Microsoft schafft sie zeitnah von diesem Konzept zu überzeugen. Die erste Aufgabe von Microsoft sollte jedoch sein, die eigenen noch unangepassten Apps auf den Stand der schicken Universal Apps zu bringen, die man bei Microsoft bisher realisiert hat.

Pro:

  • tolle Hardware
  • schicke Universal Apps
  • tolles Gesamtkonzept

Contra:

  • wenige angepasste Apps
  • eingeschränkte Desktop-Bedienung
  • kostenpflichtige Office-Anwendungen
Bildquelle kleines Bild: inside-handy.de | Autor: Michael Büttner
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Themen dieser News: Testcenter, Lumia 950 (XL), Microsoft, Windows 10

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