Vermutlich Nokia 6260 SlideNSA-Lauschangriff: Merkels "Kanzlerhandy" Blackberry Z10 nicht betroffen

vom 25.10.2013, 14:37
Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem "Kanzlerhandy" Blackberry Z10 auf der Cebit 2013
Bildquelle: Secusmart GmbH / J.Hemmen

Die Empörung darüber, dass die NSA angeblich das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel abgehört hat, war in den vergangenen Tagen gefühlt größer als die Empörung darüber, dass die NSA jahrelang alle deutschen Bundesbürger abgehört hat. Zunächst war unklar, welches Handy genau eigentlich attackiert worden war. Nun scheint sicher, dass nicht Merkels Blackberry Z10, sondern ein von der CDU bereitgestelltes "Parteihandy" abgehört wurde.

Sie habe beruflich nur ein Handy, das aber auf das Konto ihrer Partei laufe, "damit ja nie der Eindruck entsteht, ich würde Regierungsgelder für Parteikommunikation verwenden", sagte Merkel laut Tagesschau.de am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Für alle staatspolitisch relevanten Kommunikationen gebe es hingegen "Kryptohandys".

Nokia-Handy mit Vodafone-Vertrag

Nach Informationen von FAZ.net wurde Merkels Mobiltelefon, das sie als CDU-Vorsitzende nutzt, angezapft. Merkel führe viele Gespräche über ein älteres Nokia-Handy, erfuhr Süddeutsche.de aus Regierungskreisen. Laut "Die Welt" handelt es sich um ein Nokia 6260 Slide. Der "Spiegel" recherchierte derweil, dass das ausspionierte Handy mit einem Vodafone-Vertrag läuft.

Das sogenannte "Kryptohandy" ist ein Blackberry Z10, das mit einem Sicherheitschip der Düsseldorfer Firma Secusmart ausgerüstet ist. "Die Hochsicherheitslösung von Secusmart für die sichere Kommunikation innerhalb der Regierung ist nicht betroffen", ließ Secusmart-Geschäftsführer Hans-Christoph Quelle am Donnerstagabend verlauten. "Wir erfüllen höchste technische Standards."

"Kryptohandy" Blackberry Z10

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte nach mehrmonatigem Testbetrieb der Secusmart-Lösung "SecuSuite for BlackBerry 10" für die Geheimhaltungsstufe VS-NfD (Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch) empfohlen. Die Verschlüsselungstechnik beruht auf der Secusmart Security Card, einer Micro-SD-Karte mit integriertem SmartCard-Chip. Dieser Miniatur-Kryptoprozessor sorgt im Handy für die Verschlüsselung von Sprache und Daten sowie die Authentifizierung der Gesprächsteilnehmer.

Die darin verwendete AES-Verschlüsselung mit 128-Bit ermöglicht laut Secusmart 340 Sextillionen verschiedene Schlüssel. "Selbst mit Spezial-Rechnern bräuchte man nach heutigem Stand der Technik theoretisch 149 Billionen Jahre, um diesen Code zu knacken. Das ist etwa 10.000 Mal länger als das Universum alt ist. Da ist auch die USA noch eine Weile beschäftigt", referierte Quelle.

"Für unverschlüsselte Telefonate, SMS oder auch E-Mails, können wir natürlich nicht garantieren", so der Secusmart-Chef weiter. "Wie es scheint, wurde der Bundeskanzlerin zum Verhängnis, dass sie – wie viele Persönlichkeiten in Führungspositionen – mehrere Handys für die Kommunikation mit unterschiedlichen Partnern nutzen muss."

Die Kanzlerin und ihre Handys

Das Internet ist für die Kanzlerin zwar "Neuland", Mobiltelefone nutzt sie allerdings schon, seit es sie gibt - legendär ist das Foto aus den Büros der DDR-Oppositionsbewegung Demokratischer Aufbruch aus dem Herbst 1989, das Merkel mit einem Handy aus der Mobilfunk-Steinzeit zeigt. 2005, damals noch Herausforderin von Ex-Kanzler Gerhard Schröder, gab sie zu, dass sie selbst während CDU-Präsidiumssitzungen SMS-Nachrichten empfängt. 2009 bekam sie als Kanzlerin ihr erstes abhörsicheres Handy. Seit diesem Sommer nun soll sie ein von Secusmart geschütztes Blackberry Z10 nutzen. Offiziell bestätigt wurde dies seitens der Regierung allerdings nie.

Quellen: TagesschauFAZ / SüddeutscheSpiegelBundesregierungWelt / Secusmart

Autor: Rainer Schlösser
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Themen dieser News: Mobilfunktechnik

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