Smartphones verändern Privatsphäre-Bewusstsein

Studie der Universität Tel Aviv Smartphones verändern Privatsphäre-Bewusstsein

vom 13.05.2012, 13:33 (3)

Die rasante Verbreitung von Smartphones hat offenbar auch Auswirkungen auf das Sozialverhalten der Nutzer. Dazu gehört auch der Umgang mit der eigenen Privatsphäre. So haben Smartphone-Besitzer offenbar weniger Hemmungen, private Gespräche in der Öffentlichkeit zu führen. Dies haben die Forscher der Universität Tel Aviv im Rahmen einer Befragung herausgefunden.

Rückzug in Smartphone-Blase

"Zwischen technologischer und gesellschaftlicher Entwicklung besteht eine Wechselwirkung. Die größte Auswirkung der Smartphones ist die Grundeinstellung der Vernetzbarkeit", sagt Stefan Strauß vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Laut den Ergebnissen der israelischen Forscher führt diese Vernetztheit zu einem Rückzug der Nutzer in eine Smartphone-Blase. Dadurch sinkt die Interaktionsrate mit der unmittelbaren Umwelt, auch im öffentlichen Raum, etwa in Parks oder öffentlichen Verkehrsmitteln.

Außerdem sinkt laut den israelischen Forschern dadurch auch die Hemmschwelle, Privates an öffentlichen Orten über das Smartphone zu diskutieren. Zusätzlich machen sich Nutzer von iPhone und Co. weniger Gedanken darüber, ob sie die Menschen in ihrem Umfeld stören. "Bei der Verwendung von Technik tritt mit der Zeit ein Gewöhnungseffekt ein. Smartphones sind mittlerweile total in den Alltag integriert, Nutzer haben daher oft wenig Möglichkeit, den Einsatz täglich zu reflektieren", erklärt Strauß.

Smartphone-Nutzer sind außerdem überdurchschnittlich überzeugt davon, dass ihre Telefone ihre Privatsphäre stärken. "Smartphones sind wie kleine Computer, die durchgehend vernetzt sind. Es gibt bei den Nutzern noch sehr wenig Bewusstsein für Sicherheitsanforderungen. Auch die Hersteller sind gefordert", so Strauß.

Reaktion auf neues Verhalten

Die israelischen Forscher sind überzeugt, dass diese Vorstellung einer privaten Blase, die Smartphone-Nutzer umgibt, neue Konzepte für öffentliche Räume verlangt. "Eine Unterteilung wie bei Rauchern und Nicht-Rauchern wäre eine Möglichkeit", heißt es in der Studie. Auch hier sind nicht nur die Nutzer gefordert. "Geht eine technologiegetriebene Entwicklung in eine unerwünschte Richtung, sind Regulatorien erforderlich, um gesellschaftskonforme Technikgstaltung zu gewährleisten. Um Datenschutzprobleme zu entschärfen, sind etwa "Privacy by Design"-Prinzipen von Herstellern einzufordern", sagt Strauß.

Besitzer herkömmlicher Mobiltelefone halten sich laut der Befragung aus Israel mit viel höherer Wahrscheinlichkeit an gängige soziale Normen. "Apps verstärken die Integration der Smartphones in den Alltag noch. Einige, wie diverse Trainings-Programme oder Umwelt-Anwendungen, stoßen sogar sanft Verhaltensänderungen an", erklärt Strauß.

Normale Bedenken

Angst vor Veränderungen durch neue Technologie ist bei weitem kein neues Phönomen. "Neue Technologien erzeugen häufig eine Diskrepanz und dort, wo gesellschaftliche Spannungen entstehen, gibt es Anpassungsbedarf. Die Adaptierung ist immer ein gesellschaftlicher Lernprozess, das Ziel sollte aber sein Technologien gesellschaftskonform zu gestalten, nicht umgekehrt", so Strauß. Auch wenn Smartphone-User laut den Forschern aus Tel Aviv schlechter mit der Abwesenheit ihres Telefons umgehen können, besteht kein Grund zur Sorge.

Die Universität Tel Aviv will in einem nächsten Schritt die Smartphones einer Kontrollgruppe mit Software ausstatten, die eine Auswertung der Nutzung in öffentlichen Räumen ermöglicht. So sollen Daten gewonnen werden, die in Zukunft dabei helfen, öffentliche Räume an die Bedürfnisse der Menschen anzupassen.(pte)

Bildquelle: Frau telefoniert | Autor: Swetlana Soschnikow (Originalautor: Markus Keßler)
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16.05.2012, 10:38 Uhr
PectoralBrother
Ironisch eigentlich: Wird der gemeine Deutsche auf Verstöße gegen Datenschutz hingewiesen, zeigt er sich empört - auf der anderen Seite spricht er über seine Freisprechanlage in aller Öffentlichkeit und postet seinen Tagesablauf in Facebook...

15.05.2012, 7:28 Uhr
Sykro

Zitat:
Viele machen es auch um kp... cool oder sowas zu sein und halten das Handy einfach nur am Ohr aber sagen nichts und rennen durch die Gegend, wie affig sowas ist XD



So einen hatten wir mal bei uns im Fitnessstudio. Der kam sich so wichtig vor, das er ständig mit seinem Handy am Ohr rumlief und ...[mehr]irgendwas gelabert hat. Bis eines Tages das Handy am Ohr wirklich mal geklingelt hat...
14.05.2012, 19:24 Uhr
Valentine
Wenn man in der Stadt ist und irgendwo quatschen welche so ätzend laut in ihr Handy und dann was die labern... omg!
Am besten noch Lautsprecher AN, das sind dann die geilsten!

"JA, ÄHM, JA!" "UND EINMAL IM FERIENLAGER.....!" "JAAAA!" so ungefähr... Dann rennen viele wie zwischen die Augen geschossen blind durch die Menschenmenge weil sie vom...[mehr] hochwichtigen Gespräch abgelenkt sind. Hab zBsp. erlebt wie sone dumme Tussi eine Frau mit Kinderwagen deswegen fast umgerannt hätte oder auch ältere Leute.
Viele machen es auch um kp... cool oder sowas zu sein und halten das Handy einfach nur am Ohr aber sagen nichts und rennen durch die Gegend, wie affig sowas ist XD
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