Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Deutsche Telekom wegen schweren Betrugs aufgrund einer Strafanzeige von Klaus Harisch und Peter Wünsch, Gründer der Telefonauskunftsfirma Telegate. Diese werfen dem ehemaligen Bonner Monopolisten vor, er habe "unter Berufung auf nicht belegte Kosten jahrelang überhöhte Entgelte von ihren Wettbewerbern im Auskunfts- und Telefonbuchmarkt gefordert". Die Telekom wies die Vorwürfe jetzt zurück.
"Die Deutsche Telekom hält die erhobenen strafrechtlichen Vorwürfe in vollem Umfang für unbegründet und wird in Kürze gegenüber den Strafverfolgungsbehörden ausführlich schriftlich Stellung nehmen", sagte ein Telekom-Sprecher auf Anfrage des "Handelsblatts".
Wie der Bonner "Generalanzeiger" am Samstag berichtet, prüfe die Telekom nun jedoch nach Angaben aus Konzernkreisen, ihre Kosten offenzulegen. Dies habe der Konzern bisher unter Hinweis auf das Geschäftsgeheimnis abgelehnt, so die Zeitung.
Der Rechtsanwaltskanzlei Wilms & Schaub zufolge, die Telegate vertritt, weichen die Kosten, welche die deutsche Telekom für das Jahr 2008 vor dem Landgericht Bonn vorgelegt hat, "teilweise erheblich von denen ab, die sie der Bundesnetzagentur für das gleiche Jahr präsentierte". Es sei "nicht nachvollziehbar, wie bei dem gleichen Produkt dermaßen große Preisunterschiede auftreten können".
"Es sieht fast so aus, als würden Kosten je nach Belieben herein und wieder herausgerechnet", so Anwalt Georg Jochum. Dies sei "schon erstaunlich für einen Konzern, der sich bis 2010 den strengen Regeln der US-Börse unterworfen hat und eigentlich eine ordentliche Kostenrechnung haben müsste."
Den Berechnungen der Kanzlei zufolge beträgt der durch den mutmaßlichen Betrug verursachte Gesamtschaden über eine Milliarde Euro, wenn man jene Schäden zu Grunde lege, "welche von den verschiedenen Geschädigten zivilrechtlich eingeklagt worden sind".
Die Telekom hat in diesem Rechtsstreit bereits mehrere Verfahren verloren. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht hatte nach einem jahrelangem Rechtsstreit erst Anfang Juni entschieden, dass der Bonner Konzern 41 Millionen Euro zahlen muss, weil er Telegate von 1997 bis 2001 Teilnehmerdaten zu überhöhten Kosten überlassen hat (inside-handy.de berichtete).
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