Die Deutsche Telekom hat derzeit direkt mit zwei Negativschlagzeilen zu kämpfen: Zum einen ermittelt die Staatsanwaltschaft Bonn wegen Bestechungsverdachts bei der ungarischen Tochter Magyar Telekom gegen den Konzern. Zum anderen droht Europas größtem Telekommunikationsunternehmen ein neuer Fall von Provisionsbetrug. So verkaufen laut "Wirtschaftswoche" dubiose Callcenter in der Türkei Festnetz- und Mobilfunkverträge - und das ist illegal.
Über den Bestechungsverdacht hatte bereits die "Süddeutsche Zeitung" vor wenigen Tagen berichtet und erklärt, das Ermittlungsverfahren richte sich vornehmlich gegen acht Telekom-Manager. Aufgrund eines Rechtshilfegesuchs der US-amerikanischen Börsenaufsicht SEC sowie des US-Justizministeriums wurden deshalb die Geschäftsräume der Telekom von rund 70 Ermittlern durchsucht.
Der Vorwurf: Bei einer Prüfung der Bücher von Magyar-Telekom-Dependancen in Mazedonien und Montenegro im Jahre 2005 entdeckten die zuständigen Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse-Coopers (PWC) verdächtige Zahlen im Jahresabschluss. PWC fand in vielen Fällen für hohe Zahlungen keine entsprechende Gegenleistung. Grob geschätzt geht es dabei um einen Betrag von sieben Millionen Euro, der vor allem dazu verwendet wurde, Politiker und hohe Regierungsbeamte zu bestechen.
Neben den beiden Republiken gibt es aber noch einen weiteren Brandherd in Südosteuropa: Nach einem Bericht der "Wirtschaftswoche" haben sich einige der Anbieter, die vor knapp einem Jahr von Telekom-Boss René Obermann wegen der Kundenakquise in der Türkei abgemahnt wurden, erneut als Subunternehmer des Konzerns positioniert. Das ist insofern brisant, als die Verarbeitung von Kundendaten außerhalb der EU aus datenschutzrechtlichen Gründen verboten ist. Darüber hinaus sollte die 2009 gegründete Sondertruppe "Operation Antalya" eigentlich genau solche Vorfälle verhindern.
Die türkischen Callcenter erweckten aber nicht nur den Eindruck, sie seien offizieller Vertriebspartner für die Telekom. Laut "Wirtschaftswoche" gäben sich einige auch als Partner von Vodafone, Alice oder Sky aus. Ebenfalls auf den Internetseiten einiger Anbieter vertreten seien Logos von E-Plus, Versatel, Congstar, Freenet und Tele 2. Schätzungen zufolge reichen solche Subunternehmen monatlich zwischen 3.000 und 6.000 solcher Aufträge bei der Telekom ein - Details seitens der Telekom gibt es hierzu nicht. Man wolle die Ermittlungen nicht gefähren, gehe den Hinweisen aber nach.
"Es geht dabei um Provisionsbetrug zulasten der Deutschen Telekom", heißt es in einer von dem Wirtschaftsmagazin zitierten Stellungnahme. "Sollte sich der Verdacht bestätigen, werden wir – wie in der Vergangenheit schon in anderen Fällen – alle erforderlichen Maßnahmen und Schritte einleiten, um die Missstände zu beseitigen."
Weitere Informationen zu diesem Thema:
Kommentar schreiben