Toshiba

Japanische Smartphone-Hersteller drängen nach Europa

Analysten sehen jedoch nur geringe Chancen

vom 19.06.2009, 17:05

Japanische Hersteller wie Toshiba oder Sharp drängen vom chinesischen auf den heiß umkämpften europäischen Markt, um auch dort ihre Geräte absetzen zu können. "Eine neue Herausforderung, der wir uns stellen wollen" nennt es Sharp-Europachef Hiroshi Sasaoka im Interview mit der "Financial Times Deutschland" (FTD); Analysten hingegen sprechen von einer "Kamikaze-Entscheidung" und sehen wenig Chancen.

Marktanteil nur in Japan

Smartphones von japanischen Herstellern sind außerhalb des Landes nicht sonderlich bekannt. Im Ranking der weltweit größten Smartphone-Hersteller belegten die Hersteller Fujitsu, Sharp und NEC dem Marktforschungsunternehmen zufolge im ersten Quartal zwar die Plätze fünf bis sieben. Ihre Marktanteile, die zwischen 2,5 und 4 Prozent liegen, holen sie sich aber fast ausschließlich auf dem Heimatmarkt - hierzulande kennt man sie nur zusammengefasst unter "Sonstige Hersteller".

Japaner sind Technikfreaks

Das hat unter anderem den Grund, dass japanische Konsumenten sich stark von denen in Europa oder den USA unterscheiden: Hier zählt weniger die Bedienerfreundlichkeit als vielmehr technische Gimmicks wie mobiles Fernsehen oder M-Payment. Das musste auch Nokia am eigenen Leib erfahren: Der finnische Branchenprimus zog sich 2008 aus dem japanischen Markt zurück, nachdem er mit seinen einfachen Geräten nicht mehr als ein Prozent Marktanteil erreichen konnte; lediglich dessen Luxus-Serie Vertu bleibt dort weiter bestehen.

Sharp: Ehrgeiziges Ziel

Sharp-Manager Sasaoka spricht von "einzigartigen Funktionen" in seinen neuen Geräten, ohne jedoch konkret zu werden. Sowas gäbe es aber heutzutage gar nicht mehr, wird Milanesi von der FTD zitiert. Nichtsdestotrotz werden im September zur Unterhaltungselektronikmesse IFA erste Prototypen erwartet. Mit den fertigen Modellen will Sharp hoch hinaus: Bis zum Ende des Geschäftsjahres (März 2010) sollen 14 Millionen Geräte abgesetzt werden, vier Millionen außerhalb des japanischen Marktes, zum Beispiel in Europa. "Wir sind mit unserer Handypräsenz in Europa absolut nicht zufrieden", erkennt auch Sasaoka. Ob Sharp im laufenden Geschäftsjahr einen Gewinn erwirtschaften wird, verriet der Manager der FTD nicht. Zumindest hat der Hersteller im Mai bereits von sich reden gemacht, indem er die bislang dünnste Handy-Sollarzelle der Welt präsentierte.

"Kamikaze-Entscheidung"

Konkreter ist da Toshiba: Der Sharp-Wettbewerber, hierzulande zwar keiner der Top-Hersteller, aber durch seine Portége-Modellpalette dennoch kein Unbekannter, bringt noch diesen Monat sein Gigahertz-Gerät TG01 mit 4,1-Zoll-Gerät auf den Markt. Diesen Schritt nennt Gartner-Analystin Carolina Milanesi im FTD-Interview allerdings "eine Kamikaze-Entscheidung". Das TG01 errege zwar Aufmerksamkeit. Aufgrund der fehlenden Verknüpfungsmöglichkeiten zu einem Onlinemarktplatz à la App Store sei das Gerät für die meisten Nutzer aber uninteressant, auch wenn Toshiba gegenüber der FTD selbstsicher verkündet: "Erstmals ist es uns gelungen, ein Smartphone sowohl für Japaner als auch für Europäer zu konzipieren."

Schlechtes Timing

Und in der Tat haben sich die Hersteller aus Fernost nicht die beste Zeit für den Marktstart ihrer Geräte ausgesucht: Nokia startet gerade den Verkauf seines neuen Flaggschiffs N97, ebenso begann heute mit einem Paukenschlag der Verkauf von Apples überarbeitetem iPhone 3GS. Und auch der taiwanesische Hersteller HTC wirft im Akkord neue Smartphones auf den Markt, darunter auch diverse Android-Geräte.

App Store-Pendant fehlt

Alles in allem keine guten Aussichten also für Toshiba und Co. "Eigentlich haben Unternehmen wie Sharp und Toshiba außerhalb Japans keine Chance", sagt Analystin Milanesi der FTD. Ihre Marken seien nicht bekannt genug und zudem fehle ihnen ein fast schon obligatorischer Onlinemarktplatz für Softwareapplikationen.

Bildquelle: Toshiba | Autor: Oliver Strunk
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Themen dieser News: Mobilfunk-News

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