Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, entgehen den Zulieferern des finnischen Marktführers Nokia laut dem Marktforschungsunternehmen Isuppli mehr als fünf Milliarden Dollar Umsatz. Der Grund hierfür liegt im Verzicht des Handyherstellers auf ein Outsourcing bei der Telefonproduktion. Die Finnen hatten sämtliche Verträge mit Drittherstellern gekündigt, die bislang in ihrem Auftrag Handys produzierten.
2008 hat Nokia noch 17 Prozent der Produktion ausgelagert
Am vergangenen Donnerstag hatte der weltgrößte Handy-Hersteller mitgeteilt, bei der Produktion von Handys und deren Basis-Software nicht mehr mit Subunternehmen zusammenzuarbeiten. Im Jahr 2008 hatte Nokia rund 17 Prozent der Herstellung dieser Grundausrüstungen extern ausgelagert. Nokias Ankündigung zeige eindeutig, wie ernst die Lage auf dem Markt für Mobiltelefone sei, wird Isuppli-Analyst Adam Pick von der Nachrichtenagentur zitiert. "Aufgrund der weltweiten Rezession und den schwachen Verkaufszahlen für Mobiltelefone hat Nokia in den letzten Monaten begonnen, die Produktion von den Auftragsherstellern in die eigenen Anlagen zu verlagern," so der Analyst weiter.
Marktführerschaft wankt
Der Handy-Markt soll laut Prognosen in diesem Jahr um rund zehn Prozent schrumpfen. Dem kann auch Nokia nicht entgehen und musste deshalb für seine zentrale Handy-Sparte Stellenstreichungen einhergehend mit Kosteneinsparungen von mehr als 700 Millionen Euro ankündigen. Weitere Streichungen sind geplant. Außerdem wurde erst im Februar der Forschungs- und Entwicklungs-Standort Jyväskylä geschlossen. Die Hauptzulieferer von Nokia waren bisher Foxconn, BYD, Jabil Circuit und Elcoteq. Ein Stellenabbau bei zumindest einigen der Auftragsfertiger gilt als wahrscheinlich, da viele sowieso schon mit Überkapazitäten zu kämpfen haben. Eine Nokia-Sprecherin erklärte, die Entscheidung gegen das Outsourcing sei nicht endgültig. Über die Vergabe von Aufträgen werde laufend nach dem Stand der Nachfrage und der eigenen Kapazitäten entschieden.
EMS-/ODM-Markt schrumpft
Dennoch erhält Nokia Lob von Jeffrey Wu, Isuppli Senior Analyst für Electronic Manufacturing Services und Original Design Manufacturer (EMS/ODM): "Nokia ist eine operative Größe, wenn es um führende Beschaffungs- und Supply-Chain-Techniken geht. Man muss gestehen, dass Nokia sein Hybrid-System sehr gut unter Kontrolle hat und die Produktion jederzeit an schwankende Nachfragemuster anpassen kann." Die aktuelle Prognose von Isuppli zeigt, dass der EMS-/ODM-Markt in diesem Jahr um 9,9 Prozent schrumpfen wird - von 300,7 auf 270,8 Milliarden Dollar. Das war allerdings vor Nokias Bekanntmachung.
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