Android Nougat auf der Google I/O vorgestelltDies sind die neuen Funktionen von Android 7.0

vom 21.08.2016, 09:10
Android-N-Geräte
Bildquelle: Google

Wie jede neue Version von Android wird auch das neue Android 7.0 Nougat, welches Google am 18. Mai 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt hat, viele Verbesserungen und einige neue Entwicklungen bereithalten. In einer so genannten Public Beta, also einer öffentlichen Vorabversion, kann nun jedermann bereits die neue Version ausprobieren. Die Redaktion von inside-handy.de gibt hier einen Überblick über den aktuellen Stand der Entwicklung.

Das sind die neuen Funktionen in Android Nougat

Splitscreen-Modus und Bild-in-Bild-Ansicht

Eine der interessantesten Neuerungen dürfte dabei der Splitscreen-Modus sein, der in ähnlicher Form schon im iOS-System von Apple und aus der Vorgängerversion Android 6.0 Marshmallow bekannt ist, dort allerdings nicht offiziell Einzug erhielt. Er erlaubt es, zwei Apps parallel anzuzeigen und quasi im Multitasking-Modus zu bearbeiten. Dem Trend der immer größer werden Bildschirme folgend, sollte damit die Arbeit gerade an Tablets und Smartphones mit über 5,5 Zoll großen Displays vereinfacht werden. LG-Smartphones mit der Benutzeroberfläche LG UX unterstützen bereits eine Dual-Window-Funktion, bei der ausgewählte Apps zeitgleich – eine in der oberen Hälfte des Displays, die andere App unten - ausgeführt werden.

Android N / Android 7 offizielle Screenshots

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    Offizielle Screenshots des neuen Android N / Android 7 von Google
    Bildquelle: Google
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    Offizielle Screenshots des neuen Android N / Android 7 von Google
    Bildquelle: Google

Daneben soll Android 7.0 einen Bild-in-Bild-Modus erhalten, der es erlaubt, etwa ein Video anzusehen, während man andere Apps nutzt. Hat man diesen Modus aktiviert, wird eine App zwar im Vollbild angezeigt, das Video einer anderen App überlagert diese jedoch teilweise, so wie es in der YouTube-App heute schon der Fall ist.

Schnelleinstellungen und Benachrichtigungen

Schnelleinstellungen und Benachrichtigungen werden mit Android Nougat anders angezeigt und bekommen neue Funktionen: Die wichtigsten Einstellungen, die sogenannten "Smart Settings" werden am oberen Rand immer angezeigt und können durch Ausklappen um weitere Einstellungen ergänzt werden. Die (Push-)Benachrichtigungen von Apps werden derweil über die gesamte Breite des Displays angezeigt und können direkt aus der Voransicht beantwortet werden, sodass man nicht zwingend die App an sich öffnen muss, um darin zu arbeiten.

Der dritte wichtige Punkt auf der Weiterentwicklungsliste wurde dem Energieverbrauch gewidmet: Die Funktion Doze wurde zwar schon auf Android 6.0 (Marshmallow) gezeigt, bekommt aber ein Update, damit das Smartphone im Standby noch weniger Energie verbraucht als unter der ersten Doze-Version.

Android VR: Daydream

Google hat die neue Version von Android fit gemacht für neue VR-Erlebnisse, die es in dieser Form im Android-Ökosystem noch nicht gab. Dazu hat Google die Daydream-Plattform angekündigt, die auf Android N aufsetzt und nicht nur Soft- sondern auch Hardware inkooperiert. Dies führt dazu, dass Daydream spezielle Smartphones benötigt, die – genau wie spezielle VR-Headsets und Bewegungscontroller – im Herbst dieses Jahres erhältlich sein sollen.

Der VR-Modus, mit dem Google fähige Endgeräte ausstatten wird, ist zum einen eine Verbesserung vieler Software-Komponenten, zum anderen aber auch ein Ökosystem, das in der virtuellen Welt navigiert werden kann. So hat Google spezielle VR-Versionen von YouTube, Street View, dem Google Play Store, Play Filme und Google Fotos in der Pipeline, die sich über einen Daydream-Homescreen ansteuern lassen. Daneben arbeitet Google mit diversen Streaming- und Spiele-Entwicklern wie Netflix, Electronic Arts und Ubisoft zusammen, um auch deren Angebote in die virtuelle Welt zu holen.

Im Zusammenspiel funktioniert das ganze ähnlich wie bei den Galaxy-VR-Brillen von Samsung: Das Smartphone stellt Display- und Rechenkapazität zur Verfügung, doch zum navigieren werden eine Brille und ein Controller benötigt. Für diese Geräte zeigte Google auf der Google I/O Referenz-Designs und kündigte Hardware-Partnerschaften mit Samsung, HTC, LG, Xiaomi, Huawei, ZTE, Asus und Alcatel an.

Vulkan-API und neuer JIT-Compiler beschleunigen das System

Im neuen Android ist unter anderem eine "Vulkan" genannte 3D-Render-API implementiert, die Grafikprozessoren effektiver und besser arbeiten lassen soll. Vulkan ersetzt die zuvor eingesetzte OpenGL ES. Insgesamt soll Vulkan für eine flüssige Performance bei grafiklastigen Apps sorgen. Auch die Kompatibilität mit und Effektivität aus Mehrkern-Chips soll verbessert werden.

Daneben führt Google auf der technischen Seite auch einen Just-in-Time-Compiler ein, der den bisherigen Ahead-of-Time-Compiler ergänzt. Da Android-Apps erst zur Laufzeit in Maschinencode übersetzt werden, benötigt das Betriebssystem die so genannte Android Runtime (ART). Bisher mussten Apps vor deren Start komplett kompiliert, das bedeutet in Maschinencode übersetzt werden, was Zeit und Speicher benötigte. Mit der neuen Möglichkeit, Teile des Codes erst dann zu übersetzen, wenn sie auch tatsächlich benötigt werden (Just in Time), kann Android N nun viel besser mit Ressourcen wie Prozessorzeit und Speicher haushalten.

Android Instant Apps – Apps ohne Download und Installation

Google ist immer wieder für Überraschungen gut. Auf der Google I/O überraschte der Software-Riese durch die Ankündigung so genannter Andriod Instant Apps, durch die lästige Software-Installationen bald überflüssig werden sollen. Vor allem Deep-Links auf Web-Dienste sollen so in Zukunft in der entsprechenden App des Dienstes geöffnet werden, auch wenn diese gar nicht installiert ist. Die Teile der App, die für den gewünschten Aufruf benötigt werden, werden einfach aus dem Play-Store geladen. Ob dies für komplexe Apps oder gar Spiele möglich sei, ließ Google bisweilen offen. Neben Android N sollen alle Android-Nutzer mit installierten Play-Diensten bis Android 4.1 Jelly Bean in den Genuss dieser neuen Funktion kommen, die der Konzern später in diesem Jahr ausrollen wird.

3D-Touch-Shortcuts

Ein weiteres neues Feature in der zweiten Beta von Android N sind die so genannten "Launcher Shortcuts" für Apps. Im Grunde soll sich dahinter eine Einbindung eines 3D-Touch-ähnlichen Features verbergen, das Apple mit der Generation des iPhone 6S eingeführt hat. Je nach Geste auf dem Touchscreen bekommt man vor dem Start einer App oder der Anwahl einer Schaltfläche Unteroptionen angezeigt. Die Eingliederung in ein Press-Touch-System wird damit möglich sein, allerdings muss der jeweilige Hersteller die dafür nötige Hardware im Gerät verbaut haben. Die möglichen Unteroptionen sollen die Nutzer in Android N selbst bestimmen und modifizieren können.

Neue Emojis

Smileys, Emoticons, Bildchen – In Messenger-Diensten erfreuen sich die kleinen Gefühls-Ausdrücke großer Beliebtheit. Das ist auch an den Google-Entwicklern nicht vorbei gegangen. Im neuen Android Nougat integrieren sie daher die Unterstützung von Unicode 9. Im Klartext bedeutet dies, dass das System eine Reihe neuer Emojis anzeigen kann. Unter anderem werden lange vermisste und eingeforderte Emojis eingebunden, wie zum Beispiel eines für "Face Palm" oder eines, das einen Selfie-Arm zeigt. Zudem soll damit auch die Unterstützung von Action-Emojis eingebunden werden, also solchen, die eine fortwährende Bewegung darstellen.

Neue Emoticons in Android N
Bildquelle: Google

Einige der neuen Emoticons, die in die Android-N-Preview integriert wurden.

Auf diesen Smartphones und Tablets läuft Android Nougat

Google hat die offene Beta-Version des neuen Betriebssystems online gestellt und zum Download freigegeben. Damit sind erste Eindrücke und die ersten Funktionen der Nachfolger-Version von Android 6.0 Marshmallow mit dem Kürzel N und der neuen Generation 7.0 zu erhaschen. Schon in vorherigen Versionsnummern wie Android 4.x gab es Namenswechsel. So hießen die Versionen 4.0.x "Ice Cream Sandwich", von 4.1.x über 4.2.x bis zu 4.3.x kursierte der Versionsname "Jelly Bean" und Android 4.4 war als "KitKat" geläufig – zudem die einzige Version die nach einem spezifischen Produkt benannt wurde. Mit Android 7.0 alias Nougat springt Google allerdings direkt von der 6 auf die 7.

Die Entwicklerversion von Android 7 kann auf verschiedene und vor allem neuere Modelle der Nexus-Reihe aufgespielt werden. So soll es laut Google möglich sein, die Preview auf das Nexus 5X, das Nexus 6, das Nexus 6P, die Tablets Nexus 9 und Nexus 9G sowie auf den Nexus Player und das Tablet Pixel C zu manövrieren. Dabei können die Geräte nach der Installation per "Firmware over the Air"-Update (FOTA) mit Aktualisierungen versorgt werden. Unter www.android.com/beta kann sich jeder interessierte Nexus-Nutzer für die offene Beta anmelden und erhält entsprechende Updates über die Software-Aktualisierungsfunktion seines Geräts. Beta-Versionen von Android 7.0 gibt es allerdings auch für Smartphones anderer Hersteller: So sind Beta-Versionen für Sonys Xperia X Performance, sowie für das Huawei P9 verfügbar.

Die nun zur Google I/O veröffentlichte Beta-Version soll laut Google stabil genug sein, um sie auf Smartphones einzusetzen, die im täglichen Einsatz sind. Trotz allem ist Vorsicht geboten: Hier und da kann immer ein Fehler auftreten, den auch die Google-Entwickler nicht auf dem Schirm haben.

Samsungs Galaxy-S- oder -Note-Smartphones sind mit den Preview-Beta-Versionen nicht kompatibel. Hier muss der Hersteller genau so wie alle anderen, die eine eigene Oberfläche über das Android-System legen, die finale Version erst einmal mit der eigenen Benutzeroberfläche abstimmen, bis Updates ausgerollt werden können. Dies kann erfahrungsgemäß bis zu einigen Monaten dauern. Die Open-Source-Struktur des Android-System macht es möglich. Auch nicht jede App ist zwangsläufig mit einer neuen Android-Oberfläche kompatibel. Es könnte zu Software-Problemen in einigen Apps kommen.

Zeitplan für Android 7.0 – Dann bekommen auch Endverbraucher das Update

Google hat mit der Preview auch einen Zeitplan veröffentlicht, wann das Update auf Android N in seiner finalen Version auf den ersten Geräten landen wird. Neben insgesamt fünf Previews, die es über den Sommer monatlich geben wird, plant Google den finalen Launch im dritten Quartal dieses Jahres.

Android 7 / Android N
Bildquelle: Google

Noch im August soll Android 7.0 in der finalen Version ausgerollt werden. Samsungs neues Top-Phablet Galaxy Note7, das im September auf den Markt kommt, wird allerdings noch mit Android 6 alias Marshmallow starten. Das offiziell erste Smartphone mit vorinstalliertem Android 7.0 soll der Note7-Konkurrent, das LG V20 sein, das ebenfalls im September startet. Wie üblich werden die Hersteller dann langsam auf das neue Android-System umsteigen, sofern sie die eigenen Betriebsoberflächen mit Android Nougat konfiguriert haben.

Der taiwanische Hersteller HTC hat bereits angeündigt, dass die aktuellen Top-Geräte allesamt auf Android 7.0 aktualisiert werden:

Android-Nougat-Updates – Geräteliste

Smartphones

Tablets

  • Nexus 9 – Preview-Version
  • Nexus 9G – Preview-Version
  • Pixel C – Preview-Version

Gerüchte zu Android N / Android 7

Die Gerüchte, die im Vorfeld der Developer-Version aufgetaucht sind, scheinen sich zu bestätigen. Zumindest die Designänderungen, die inside-handy.de in einem gesonderten Artikel zu den Gerüchten von Android 7.0 zusammengefasst hat, bestätigen sich zum Teil den nativen Informationen von Google zufolge.

Genauso, wie sich die Gerüchteköche das neue Betriebssystem ausgemalt haben wird es wohl nicht aussehen, jedoch sind die Tendenzen korrekt: Das Material Design wird fortgesetzt und dringt immer tiefer in die Strukturen ein. Dazu werden das Schnellmenü und die Benachrichtigungen umgestaltet, was ebenfalls schon Teil einiger Gerüchte war.

Android 7.0 heißt Nougat

Der Name der neuen Android-Version war lange ein sicher gehütetes Geheimnis des Weltkonzerns. Fest stand nur, dass der nächste Kosename mit N beginnen sollte, um die alphabetische Fortführung sicherzustellen. Da bisher alle Bezeichnungen für die verschiedenen Ausbaustufen des Betriebssystems nach Süßspeisen benannt worden sind, sprossen die Gerüchte über das "N" aus dem Boden wie Unkraut nach einem Sommerregen.

Nach zwischenzeitlichen Gerüchten, wonach Google von seiner Marschroute, Android nach Süßspeisen zu benennen, abrücken sollte, kristallisierte sich dann ein mehr doer weniger gewöhnlicher Name heraus: Google verkündete offiziell, dass Android 7.0 unter dem Label "Nougat" laufen werde.

Dieser Artikel wird je nach Entwicklungsstand aktualisiert und entwickelt sich so immer weiter. Ziel ist es, die Entstehung und Verbreitung von Android N zu begleiten und einen Überblick über Updates zu schaffen, beispielsweise des Samsung Galaxy S7, des Galaxy Note7, des HTC 10 oder des LG G5. Die aktuellen Smartphones der Hersteller werden ziemlich sicher früher oder später ein Update auf Android N erhalten. Wenn Google das Betriebssystem offiziell zugänglich macht, können theoretisch auch die ersten Smartphones und Tablets ab Werk mit der neuen Android-Version ausgeliefert werden.

Alles rund ums Thema Android-Updates


Bildquelle kleines Bild: Google | Autor: Redaktion inside-handy.de
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Themen dieser News: Android, Android Updates, Google, Google Nexus

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