Tipps für die ersten Wochen im Beruf: So gelingt der Start

Teil 1

Die ersten Wochen in einem Job sind die anstrengendsten, heißt es oft. Stimmt auch. In den ersten Tagen bei einem neuen Arbeitgeber oder in einer neuen Abteilung kommen viele Herausforderungen auf einen zu. Die Neuigkeiten prasseln nur so auf einen ein. Fehler will man dabei möglichst vermeiden. Aber wie meistert man die Fülle an Neuem, wie verarbeitet man alle Eindrücke, und wie klappt es auf Anhieb auch zwischenmenschlich mit den Kollegen?

Namen merken

Vor allem sollte man sich Mühe dabei geben, sich die neuen Namen zu merken. Es ist nur menschlich, sich nicht alle Namen gleich auf Anhieb merken zu können. Beim zweiten nachfragen wird es allerdings auffällig und es könnte als Desinteresse interpretiert werden. Bei großen Unternehmen hilft ein Blick ins Intranet oder in ein Mitarbeiterverzeichnis um sich an Namen zu erinnern. Eselsbrücken und andere Gedankenspiele sind ebenfalls hilfreich.

Nicht aufstecken

Vertrauen muss man sich – trotz aller Vorqualifikationen – erst erarbeiten. Es passiert, dass man nicht sofort in den ersten Wochen mit Projekten betraut wird. Auch wenn die Motivation gerade am Anfang noch so hoch ist, kann es sein, dass man in den ersten Wochen relativ wenig zu tun bekommt. Gerade wenn der Arbeitsdruck hoch ist, sind die Kollegen eher damit beschäftigt, mit der eigenen Arbeit hinterher zu kommen als dem „Neuen“ eine umfassende Einarbeitung zu bieten. Hier muss es heißen, nicht aufzustecken. Um sich die Zeit nützlich zu vertreiben, könnte man fragen, ob man einem Kollegen in irgendeiner Art und Weise unkompliziert helfen könne. Außerdem kann man den Vorgesetzten fragen, ob man sich in anderen Abteilungen des Unternehmens umsehen dürfe. So erfährt man selbst noch mehr über das Gesamt-Unternehmen und zeigt deutliches Interesse an den Arbeitsvorgängen.

Nicht überarbeiten (lassen)

Es gibt natürlich auch den gegenteiligen Job-Einstieg: Man wird mit Arbeit geradezu überschüttet. Hier heißt es: Grenzen erkennen und ziehen. Den Überblick behalten. Zu allem Ja und Amen sagen, um ja nicht einen schlechten Eindruck zu machen. Wichtig ist, keine Angst davor zu haben, auch mal Nein zu sagen. Wenn man die Aufgaben letztendlich nicht schafft, wirft dies möglicherweise ein noch schlechteres Licht auf Sie, den Neuen.

Ein zu knappes Nein ist übrigens auch nicht ideal, hier kann man den Zwischenweg gehen und dem Kollegen, der die Arbeit weitergeben will, eine Frist in Aussicht stellen, bis wann man seine Aufgabe erledigt haben kann. Immer mit einem Hinweis, dass man noch weitere Aufgaben zu erledigen hat. Liegt dieser Termin zu weit in der Zukunft, merkt der Mitarbeiter selber, dass Sie womöglich eine zu lange Bank vor sich her schieben. Und Sie verhindern selbst, dass der Eindruck entsteht, Sie seien inhaltlich mit einer Aufgabe überfordert.

Gemeinsame Mittagspausen

Kommen wir wieder zum Zwischenmenschlichen. Ab und zu, je nachdem auch täglich gemeinsam mit den Kollegen – zumindest denen aus dem engeren Arbeitsumfeld – essen zu gehen, ist elementar wichtig für die ersten Wochen. Die Anschlussfindung ist weitaus einfacher als nur von Schreibtisch zu Schreibtisch und je nach Arbeitsumfeld schafft man eine informelle Ebene. Man bekommt mit, was in der Abteilung oder im Unternehmen sonst für aktuelle Themen in den Gesprächen vertreten sind. Womöglich erhält man auch den einen oder anderen inoffiziellen Hinweis zu Arbeitsabläufen.

Wenn man den Eindruck hat, am Anfang noch nicht so recht von den Kollegen wahrgenommen zu werden, kann man ruhig auch selber aktiv werden: So kann man den direkten Büronachbarn darum bitten, Bescheid zu geben, wann das Team zum Essen geht. Andererseits könnte man auch ein Restaurant in der Nähe der Firma aussuchen und die Kollegen fragen, ob sie Lust haben, dieses einmal auszuprobieren.

Teil 2

Hat man die Anfangshürden übersprungen kann man auf vom Gelernten aus eine Ebene höher springen. Im zweiten Teil gibt es Tipps zur Anpassung an die Arbeitsweise und zum Schärfen des eigenen Profils im Unternehmen.

Aufmerksamkeit!

Bei der Einarbeitung sollte nicht nur der eigenen Arbeit große Aufmerksamkeit zu Teil werden. Es ist von großem Vorteil, wenn die gewöhnlichen Abläufe des gesamten Unternehmens oder zumindest der Abteilung genau beobachtet und analysiert werden. Hierbei ist wichtig, welche Schritte ein Projekt durchlaufen muss, welche Ebene auf keinen Fall übersprungen werden darf. Ist das Beispiel-Projekt abteilungsübergreifend, sollte ein Augenmerk darauf gelegt werden, in welchem Verhältnis die entsprechenden Abteilungen zueinander stehen.

Die eigene Arbeit soll dabei natürlich nicht in den Schatten gestellt werden. Gerade hier sollten Anregungen und Kritik angenommen werden. Auch eigenes kritisches Hinterfragen der Arbeitsschritt ist möglich. Generelle Kritik an der Arbeitsweise des Unternehmens / der Abteilung sollte jedoch erst einmal nicht geäußert werden. Eine persönliche Rückmeldung vom Vorgesetzten der Abteilung sollte man sich immer mal zwischendurch einholen, dies muss nicht nur erst zum Ende der Probezeit geschehen. Wichtig ist, dass der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus geht. Der so genannte „Tunnelblick“ kann in der Anfangsphase schnell zum Hindernis werden auch wenn er subjektiv ein hohes Maß an Konzentration transportiert.

Fehler machen

Fehler gehören gerade am Anfang noch dazu. Die erfahreneren Kollegen merken, wenn Fehler gemacht werden. Da Sie als Starter eventuell unter „Welpenschutz“ stehen, sollten Sie unbedingt zu den Fehlern stehen, die Sie gemacht haben, nicht mehr und nicht weniger. Hierdurch signalisiert man, dass man bereit ist Verantwortung zu übernehmen. Ist ein Fehler passiert und nicht mehr zu korrigieren, sollte man auch selbst beim Vorgesetzten vorsprechen und diesen Fehler ansprechen und melden. Rechtfertigungen sind nicht zielführend. Angst wirkt jedoch eher negativ nach außen. Der Umgang mit dem Problem sagt letztendlich mehr über die eigene Person als Arbeitskraft aus, als das Problem selber.

Konflikte

Beinahe zwangsläufig kommt es in den ersten Wochen zu Konflikten, ob auf persönlicher oder anderen Ebenen. Neu im Unternehmen kann man einerseits als Konkurrent gesehen werden, andererseits können auch andere Kollegen versuchen, den Neuen mit der eigenen Meinung über Geschehnisse zu beeinflussen. Hier gilt es, neutral zu bleiben und sich selbst – erst mit einigem Abstand – ein Bild und eine Meinung zu machen. Geht das Gespräch über dritte, beispielsweise beim Mittagessen über die Grenzen des guten Geschmacks hinaus, kann man versuchen, das Thema zu wechseln um nicht unbewusst vereinnahmt zu werden.

Selbstbewusstsein

Zum Schluss noch ein Tipp: Zum Start in den neuen Job auf keinen Fall kleiner machen, als man selbst ist. Es kommt zwar überhaupt nicht gut an, wenn man direkt den Eindruck entstehen lässt, über den Dingen zu stehen und allen sagt, wo es lang gehen soll. Aber für die Kollegen wirkt es mindestens genauso nervig, wenn man an jeder Stelle die eigene mangelnde Erfahrung betont. Ein gesundes Selbstbewusstsein sollte die Stütze dafür sein, dass die Kollegen in einem selbst eher eine Hilfe denn eine Belastung sehen. Anstatt resignierend zu sagen, dass man etwas nicht weiß, sollte man positiv formulieren, dass man sich vor der Erledigung der Aufgabe noch kurz schlau machen muss. Dadurch signalisiert man Motivation trotz Unwissenheit, die weitaus besser registriert wird als Kompetenzlosigkeit. Als persönliche Motivationshilfe sollte man sich immer klar machen, dass man den Job wegen der eigenen Kompetenz und nicht trotz mangelndem Wissen bekommen hat.

(mit Material von ZeitCampus 1/2016 und mycity-web.com)

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