Test des BenQ-Siemens S68

Einführung

Test-Datum: 19.06.2006
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Mit "Konzentration auf das Wesentliche" betitelt BenQ Siemens die Werbemaßnahmen zum neuen S68. Wobei sich dem Marktbeobachter schnell die Frage stellt, was an einem Handy mit MP3-Player, Radio, Organizer, Bluetooth, Stoppuhr und Zykluskalender eigentlich die wesentlichen Merkmale sind. BenQ Siemens beantwortet diese Frage mit dem S68 - und sorgt für eine echte Überraschung.

Verpackung & Lieferumfang

Der erste Eindruck des S68 fällt positiv aus. Wie die Barbie in ihrem Karton lächelt dem Käufer durch eine transparente Folie im Kartondeckel ein schickes Handy entgegen. Ein Eindruck, der sich auch hält, wenn man den Lieferumfang komplett auf dem Tisch verteilt hat. Ein hochwertiges Ladegerät, eine gut strukturierte Bedienungsanleitung sowie eine CD-ROM mit der Bedienungsanleitung in digitaler Form und dem Siemens Phone Manager liegen dem edlen Silberling bei. Zwei Minuspunkte kassiert die Firmenfusion aus München und Fernost allerdings auch:
Der Kontaktschuh an der Geräteunterseite ist nicht kompatibel zu den vorausgegangenen Modellserien, was für den Nutzer älterer Siemens-Geräte die Weiternutzung von Ladegeräten oder Headsets unmöglich macht. Ein Manko, das durchaus noch zu verschmerzen ist. Ganz im Gegensatz zu dem fehlenden Datenkabel. Zu einem reibungslosen Datentransfer zwischen dem PC und dem Handy gehört nicht nur im Business-Segment ein Datenkabel zum erweiterten Standard-Lieferumfang.

Verarbeitung & Handhabung


Der Zusammenbau der Elemente erweist sich dann als Kinderspiel. Sieht man davon ab, dass es zwar sehr einfach ist, die SIM-Karte im Kartenhalter zu platzieren, es aber extrem feinnerviger Fingerspitzen bedarf, die Karte anschließend wieder aus dem Halter herauszubekommen, sitzen der leichte Lithium-Ionen-Akku (ebenfalls nicht vergleichbar mit alten Siemens-Serien) und vor allem der Akkudeckel fest und sicher in ihrer Position. Zwei Elemente ergeben nun ein nahezu ideales Zusammenspiel: Die edel wirkende Frontpartie aus gebürstetem Aluminium mit den großen Metalltasten und die Rückwand aus sehr griffigem Kunststoff. War auf den ersten Blick die schicke Metalloberfläche der Front ein ausschlaggebender Faktor, so staunt man bei erstem Kontakt mit der Handfläche noch mehr über die sehr griffige Beschaffenheit der Rückseite. Selbst auf einer glatten Ablage im Auto rutscht das S68 nicht hin und her.

Weitere Pluspunkte sammelt das erste Modell mit dem Doppelnamen BenQ Siemens beim Tastenfeld. Trotz der zierlichen Form wurde dem S68 ein Satz "Drücker" mitgegeben von dem manche Hightech-Maschine träumt. Groß, sehr gut ablesbar und mit einem nahezu perfekten Druckpunkt ausgestattet lassen sich die kleinen Rechtecke exzellent bedienen und auch die helle Beleuchtung macht die Sache bei schlechten Lichtverhältnissen einfach. Schade nur, dass nicht alle Tasten dieses Prädikat verdienen. Denn entgegen den Ziffern- und Funktionstasten, sitzen das Rechteck für die Menünavigation und die zentrierte Bestätigungstaste unterhalb des Displays nicht sonderlich fest in der Fassung und wackeln merklich unter dem Daumen. Dennoch ist auch hier der Druckpunkt ähnlich gut wie bei Stern-, Raute- und Zifferntasten und auch die beiden Softkeys stehen qualitativ dem Ziffernblock in nichts nach.

Einen richtig guten Akzent setzt das Gerät dann beim Vibrationsalarm. Dem einen oder anderen Handynutzer mag vielleicht einmal am Rande aufgefallen sein, dass verschiedene Modi beim Vibra-Call durchaus eine spaßige wenn nicht sogar sinnvolle Sache sein können. Dies hat man bei der Entwicklung des S68 wohl mit besonderer Sorgfalt bearbeitet. Das Gerät bietet zum Beispiel den Modus "Hubschrauber" oder "Mosquito" und integriert in die Vibration rhythmische Muster, die einen drehenden Rotor oder Flügelschläge imitieren. Durch den dicken Stoff einer Jacke oder in einer Handtasche ist dies sicherlich weniger sinnvoll, aber auf dem Konferenztisch ist es trotzdem eine Gelegenheit auch ein stumm geschaltetes Handy rasch zu identifizieren.

Sprachqualität & Empfang

Die Gesprächsqualität ist durchgängig gut. Zwar ist die Hörkapsel bei höherer Umgebungslautstärke etwas schwach auf der Brust und stößt in der Geräuschkulisse eines Einkaufszentrums im Hochbetrieb schnell an ihre Grenzen, dafür ist bei weniger intensiver Umgebung die Qualität absolut zufrieden stellend. Nebengeräusche wie Rauschen und Knacken sind nicht wahrzunehmen. Der Gesprächspartner ist klar und gut verständlich zu hören.

Der 660 mAh Li-Ion-Akku verrichtet seine Aufgabe gut. Nach fünfeinhalb Stunden Dauergespräch oder knapp 200 Stunden effektiver (!) Bereitschaft verlangt der Stromspeicher nach dem Ladegerät. In der Praxis kommt man so bei durchschnittlicher Nutzung des Handys auf gut fünf Tage Stand-by. Womit Siemens seiner alten Linie treu bleibt und nach wie vor Handys mit sehr zufrieden stellenden Resultaten im Bereich Bereitschaftszeit abliefert.

Display & Kamera

Ein Grund für die guten Werte des Akkus sind Stromverbraucher wie eine Megapixel-Kamera, die man bei dem S68 weggelassen hat. Dafür präsentiert sich das TFT-Display mit seinen 132 x 176 Pixeln Auflösung in bestechender Helligkeit, Schärfe und Farbqualität. Wenn schon mit dem S68 keine eigenen Bilder geknipst werden können, liefert das Handy dennoch eine prima Möglichkeit, zugesandte Bilder in hervorragender Qualität darzustellen. Zwar ist die Lesbarkeit bei einem dunklen Hintergrundbild und Sonneneinstrahlung etwas schwierig, dafür aber umso besser - weil sehr hell beleuchtet - bei schwachen Lichtverhältnissen. Fast sogar zu gut. Denn der kurze Check der Uhrzeit des Nächtens könnte empfindliche Augen reizen und weiteren Schlaf vorerst unterbinden. Sollte dies tatsächlich ein ausschlaggebendes Kriterium sein, bietet das Gerät die Möglichkeit, die Helligkeit des Displays in zehn Stufen einzustellen. Die im Lieferzustand voreingestellten 80Prozent sollten allerdings besser nicht allzu weit nach unten verändert werden, da ansonsten die Lesbarkeit doch deutlich nachlässt.

Zur Personalisierung des Hintergrundes stehen diverse Themen im Format *.std zur Verfügung, in denen für jeden Geschmack etwas dabei ist und die kompatibel zur 75er-Baureihe sind. Ohne große Mühe kann im Menüpunkt "Einstellungen" das gewünschte Thema erst einmal in einer Vorschau begutachtet und anschließend aktiviert werden. Die Qualität der Bilder (Mondoberfläche, Delphin, etc.) und die Farbqualität lassen kaum Wünsche offen.

Ein kleiner Minuspunkt allerdings ist die Beschaffenheit des Displayglases. So schön die Oberfläche aus Aluminium auch ist, so unschön sind auf dem Displayglas nach dem Telefonat oder normalem Handling deutliche Schlieren und Fingerabdrücke zu sehen. Für Freunde des sauberen Handys empfiehlt es sich daher, das Brillenputztuch griffbereit zu halten.

OS & Bedienung

Wer davon ausgegangen war, dass mit der Fusion von BenQ und Siemens auch ein neues Bedienkonzept Einzug in die Modelle der Münchner halten würde, ist schnell eines Besseren belehrt. Die Displayansicht im Stand-by erinnert stark an alte Siemens-Modelle. Die Struktur des Desktop-Menüs dagegen schließt sich den Markttendenzen an und liefert bekannte Symbole wie den Briefumschlag, die Glocke und den Schraubenschlüssel. Wählt man aber eines dieser Symbole aus, landet man wieder in der Vergangenheit und dem gewohnten Siemens-Muster im Listenformat. Die Anzahl der Menüebenen ist mit jeweils zwei bis drei Ebenen angenehm und logisch angeordnet.

Als äußerst praktisch erweist sich der direkte Funktionszugriff über die Zifferntasten. So kann man mit einem einfachen Druck auf die Taste " 8 " und anschließender Bestätigung durch den entsprechenden Softkey die Bluetooth-Schnittstelle ein- bzw. ausschalten. Kein langer Weg mehr durch das Menü, der bei hinten anstehenden Funktionen durchaus langatmig und nervig sein kann, sondern zwei Klicks direkt zum Ziel. Das Menü als solches wird bei cleverer Belegung der Zifferntasten eigentlich gar nicht mehr gebraucht. Zudem ist wie immer bei Siemens der Navi-Key mit den Funktionen Kontakte (nach unten), Profile (nach oben), neue SMS (nach links) und Eingang (nach rechts) belegt, die Softkeys sind variabel belegbar, z. B. mit dem Kalender und entgangene Anrufe findet man sauber mit Datum und Uhrzeit versehen in den Anruflisten wieder.

Das Schreiben von SMS, MMS und E-Mails gestaltet sich sehr einfach, etablierte Siemens-Nutzer dürften keine Probleme bei der Zeichensetzung haben, abgewanderte User anderer Hersteller sind innerhalb kurzer Zeit mit der Bedienung von T9 und der Zeichensetzung vertraut. Nicht immer, aber meistens praktisch ist auch die automatische Tastensperre, die in einem Zeitraum von bis zu 60 Sekunden automatisch den Tastenblock sperrt.

Hardware & Verbindungsmöglichkeiten

Der Kurzstreckenfunkstandard Bluetooth offeriert diverse Verbindungsmöglichkeiten auch ohne ein Datenkabel oder die Sync-Station DSC 100 (kompatibel übrigens mit dem großen Bruder EF81) zu kaufen und funktioniert reibungslos mit diversen anderen Bluetooth-Geräten. So können zum Beispiel Einträge aus dem Telefonbuch per Funk an das S68 gesendet oder von dem Handy empfangen werden, was im Test mit einem Nokia der Serie 60 in beide Richtungen einwandfrei funktionierte. Ebenso konnte ohne Mühe eine Verbindung zu einem Bluetooth-Headset hergestellt werden, dessen Funktionsumfang (Wahlwiederholung, Gesprächsannahme) ebenso problemlos lief. In diesem Zusammenhang wurde allerdings bei der fehlenden Sprachwahl am falschen Ende gespart.

Auch die Synchronisation von Kontaktverzeichnissen auf dem PC kann man laut Hersteller via Bluetooth durchführen. Allerdings musste der Praxis-Test mit negativem Resultat beendet werden. Zwei unterschiedliche Bluetooth-Sticks am PC waren nicht imstande, mit dem S68 zu kommunizieren. Offenbar hat das Gerät dort eine empfindliche Stelle. Die Probleme können allerdings auch auf einen falsch konfigurierten PC zurückzuführen sein, was wir jedoch weitesgehend ausschließen können.

Multimedia & Organizer

Welche Features offenbart ein Handy ohne Speicherkartenslot und mit nur 26 MByte internem On-Board-Speicher? Im Falle des wie gesagt mit knapp 200 Euro sehr preiswerten S68 eine ganze Menge. So können mit dem Sprachrekorder zum Beispiel Telefonate in akzeptabler, allerdings etwas blecherner Tonqualität mitgeschnitten werden oder das Handy wie ein Diktiergerät für Aufzeichnungen genutzt werden. Auch können über diesen Weg Geräusche aufgezeichnet werden, die, im .mid- oder .wav-Format anschließend als Klingelton verwendet werden können. Die hauseigene Toilettenspülung oder ein Mitschnitt der Bandprobe allerdings fallen der Wiedergabequalität zum Opfer, was diese Möglichkeit wieder auf den Level "Spielerei" zurückstuft. Über denselben Lautsprecher allerdings klingt die Stimme des Gesprächspartners recht gut, nur bei höherer Lautstärke verzerrt er ein wenig.

Um das Gerät schnell einer wechselnden Umgebung anzupassen, ist wie bereits erwähnt auf der Steuerungstaste mit dem Pfeil nach oben der Zugriff auf die Profile eingerichtet. So kann man zwischen sechs vorinstallierten Profilen entscheiden, die sich leider nicht umbenennen lassen, und zwei eigene erstellen, die dann mit einem eigenen Namen versehen werden können. Der Wechsel der Profile dauert allerdings wie einige andere Funktionen eine Weile. Das Testgerät hängte sich an dieser Stelle binnen kurzer Frist sogar zweimal auf.

Mit gleichem Schnellzugriff wie der Menüpunkt "Profile" ist auch der Schritt ins Kontaktverzeichnis getan. Ebenso wie bei den Profilen erkennt man deutlich die Handschrift der Siemens-Menüstruktur, auch die Darstellung der Schriften und Zeichen hat die klassischen Akzente der Münchner übernommen. Die Einträge im Telefonbuch lassen sich um Postanschrift und E-Mail-Adresse erweitern. Lediglich die Funktion T9 partout nicht greifen will.
Dafür verwöhnt die Software den Business-Nutzer mit der Möglichkeit, an jeden Kontakt so viele Daten wie gewünscht anzuhängen.

Der Organizer offenbart ähnlich umfangreiche Optionen. Ein Kalender und ein Terminplaner, der bis zu 50 Dauertermine speichert, sind ebenso vorhanden wie die vorweg genannte Funktion des Diktiergerätes. Weniger businesslike, aber auf längeren Zugfahrten durchaus amüsant sind auch die beiden vorinstallierten Spiele Schach und Stack Attack, die zwar schier endlos lange zum Hochladen brauchen, dann aber in punkto Farbqualität und Schärfe keinen Grund zur Klage geben.
Sind die Spiele auf besagter Zugfahrt aber durchgespielt oder uninteressant, geht dem S68 als Unterhaltungsmedium die Puste aus. Ein Radio hat das Modell ebenso wenig zu bieten wie die Möglichkeit, MP3-Files abzuspielen ("Keine Anwendung zum Öffnen dieser Datei"). Zwar ist ein Musikplayer an Bord, dieser beschränkt sich aber auf .mid- und .wav-Formate und mit 26 MByte Speichervolumen schneller "leergehört" als ein Intercity zwischen zwei Haltestellen fährt. Zudem liegt dem S68 kein Headset bei, was die Sache noch komplizierter macht. Alte Siemens-Headsets passen nämlich nicht an den Kontaktschuh und Musikqualität an einem Bluetooth-Headset in mono ist ebenfalls nicht preisverdächtig. Immerhin liefert der Player für die akzeptierten Formate die Funktionen "Shuffle" und "Repeat", was Freunde der Wiederholung glücklich machen sollte.

Fazit


Mit dem S68, dem ersten Modell in Gemeinschaftsproduktion, liefert BenQ Siemens eine solide Leistung ab. Die edle Optik und die gute Ausstattung machen das Handy zu einem voll alltagstauglichen Begleiter, der Puristen und Ästheten gleichermaßen begeistern dürfte. Allerdings muss an der Software gefeilt werden, die im vorliegenden Testgerät öfter zu Systemabstürzen führte und Zugriffe auf Funktionen und Programme langatmig gestaltete.

Wer auf einen Musikplayer und eine Kamera verzichten kann und vor allem Wert auf gute Verarbeitung und ein adrettes Äußeres legt, wird mit dem BenQ Siemens S68 sehr gut bedient. Auch als Zweithandy eignet sich das kleine und leichte S68 hervorragend.

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